Kunstgarten: Ein Kreis schließt sich

Seit zehn Jahren verbindet der Kunstgarten Kunst und Natur. Derzeit mit der Ausstellung "Pas de deux"

Lexikon | ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Der von Irmi und Reinfrid Horn betriebene Kunstgarten feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen, derzeit mit der Ausstellung "Pas de deux". Zu solchem wurden Alfred Graf und Ferdinand Penker geladen, die sich vor Jahren im Kunstgarten kennenlernten. Und Penker war es schließlich auch, der 2004 mit der Arbeit "Statt Gras" einen treffenden Beitrag zur ersten Ausstellung im Kunstgarten geliefert hat. Einen Teil der damals noch grasbewachsenen Bühne, die von den Horns für das Begleitprogramm zu den Ausstellungen genutzt wird, hat er durch ein maigrün lackiertes, längsseits geriffeltes Stück Blech ersetzt und so die mit dem Kunstgarten verfolgte Intention, Kunst und Natur zueinander in spannungsreiche Beziehung zu bringen, Bild werden lassen. Auf den nun gepflasterten Boden der Bühne gelegt (am 10. August liest dort Barbara Frischmuth), scheint Penkers leiser, zur Erinnerung an die Anfänge wieder ausgestellter Eingriff in die bestehenden Verhältnisse -seinem Titel nach -aber auch anzudeuten, dass Kunst das nachhaltigere Rauschmittel ist. Dabei zeigt sich ein Künstler, der meditativen Minimalismus und naturnahe Poesie sinnig zu verknüpfen wusste, aus ihrer Synergie Werke schöpfte, die unangestrengt, in aller Zartheit und Bescheidenheit daherkommen und doch tief wurzeln.

Dazu passen die Arbeiten Alfred Grafs: Mit Beton und Wachs binden sie Flusssedimente zu blockhaften Skulpturen oder skizzenhaften Bildern, als gälte es, ganze Landschaften auf ihre jeweilige Essenz hin zu verdichten. Gleich Bohrkernen legen sie Geschichte frei. "Alfred Graf ist ein Schichtarbeiter, einer, der sich durch geologische Formationen, Materialien und Zeiten kämpft", brachte Franzobel in einem Katalog auf den Punkt und verglich Grafs Werk mit Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde"

Der Pas de deux von Graf und Penker fand ein jähes Ende: Penkers Tod Anfang Juni hat die Jubiläumsschau zur Gedächtnisausstellung werden lassen. Wenn das Schicksal den Takt schlägt, schließen sich Kreise. Kunstgarten, Graz, bis 10.9.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige