Der Bio-Spaß

Jem Joseph macht jetzt irische Bio-Burger und Linsensalat statt IT

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014


Foto: Christian Wind

Foto: Christian Wind

Viele seiner Gäste meinten, sein Lokal habe eine studentische Anmutung. Und das stimmt. Das ehemalige Tholl Thai ist ein bunt zusammengewürfeltes Beisl, mit Industrieparkett und Halogenlampen aus den 80ern, einem monumentalen Spiegel in altdeutschem Dunkelholz sowie stabilem Beislmobiliar, das sicher weder der altdeutschen noch der thailändischen Kategorie zuzurechnen ist. Aber er mag das, meint Joseph, 32, vor Energie schier übersprudelnder IT-Fachmann aus Kerala, er mag die Idee, dass da schon mindestens 30 Jahre lang Leute drauf gesessen sind.

Die IT sei ihm zu langweilig geworden, erzählt er, und Gastronomie habe ihn immer schon so fasziniert. Und als seine Schwiegermutter eines Tages Semmelknödel gemacht hatte, seine Mutter Kichererbsen-Curry, und er am nächsten Tag die Reste von beidem kombinierte, ging ihm gewissermaßen der austro-indische Fusionsknopf auf, schwärmt der junge Mann.

Bio außerdem, und Burger sowieso, weil die habe er in Irland schätzen gelernt, wo man sie erstens dick und saftig mache, ohne Deko-Schnickschnack, und wo man als Inder außerdem nicht wie ein Ausländer behandelt werde. Da hat er wohl in beiden Punkten recht. Wenn Jem Joseph davon erzählt, was aus seinem „I am bio“-Projekt demnächst noch alles werden soll, sprühen die Funken. Ein Shop, zum Beispiel, wo es selbstgebackenes Brot, selbstgemachtes Ketchup, selbstgemachte Limonaden und selbstgemachten Essig zu kaufen geben soll, „das macht uns nämlich alles irrsinnig viel Spaß“.

Das Kichererbsen-Curry erfülle ihn mit großem Stolz, weil es so gemacht werde wie bei ihm zu Hause, es ist auch wirklich gut, cremig, aromatisch, frisch, ein wenig mild vielleicht, aber hat dafür absolut Alltagsqualität. Okay, die eh guten Semmelknödel gehören zur Identitätsgeschichte des Lokals (€ 8,90). Der Salat aus dunklen Beluga-Linsen war brav, dafür, dass es mitten im Sommer ist und die winterliche Hülsenfrucht hier einen starken Auftritt hat, wäre aber vielleicht ein bisschen mehr Grünzeug drin nicht schlecht (€ 4,50), und der Burger schmeckt wirklich großartig.

Die selbstgebackenen, flaumigen Laibchen erinnern fast an Kuchen, das Fleisch – Hals vom Bio-Blondvieh aus dem Waldviertel – wird hörbar frisch faschiert, bekommt eine dezente Curry-Honig-Sauce, sehr gut (€ 7,20). Das indische Gulasch mit dunkler Bier-Curry-Sauce ist angeblich die eigentliche Spezialität, schaffte ich aber nicht mehr.

Apropos Bier: Das ist von Schladminger, trüb und bio. Weinmäßig war komischerweise noch nichts Biologisches da, aber das wird offenbar gerade geändert, Joseph wirkt motiviert bis enthusiastisch. Und sollte das alles nicht funktionieren, habe er halt seine Ersparnisse aufgebraucht und gehe wieder in die IT. Ansteckende Unbekümmertheit, sehr sympathisch.

Resümee:

Ein kleines lokal, in dem auf Grundlage von Bioprodukten eine indisch-österreichisch-mediterrane Fusionsküche geboten wird.

I am bio, 8., Florianigasse 17,

Tel. 01/990 49 69, Mo–Fr 11.30–14, 16.30–23, Sa 12.30–20.30 Uhr, www.iambio.at


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