Kinderbuch der Stunde

Wie der traurige Klettermax zum Einbrecher wurde

Feuilleton | MARIANNE SCHRECK | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Max hat seine Eltern verloren. Sie sind, so schätzt man, vor circa zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nun kämpft er - wenn auch nicht gerade leidenschaftlich -dagegen, dass sein exzentrischer Onkel, bei dem er nun lebt, das Elternhaus auf dem Land verkauft. Aber es hilft nichts: Es geht in die Stadt. Und dort ist auch nicht damit zu rechnen, dass man an die freundlichsten Wesen - sprich: Mitschüler - gerät. Bei einem äußerst unangenehmen Treffen vor dem Supermarkt kommt es zu einem merkwürdigen Zwischenfall: Durch ein Missgeschick des ahnungslosen Max muss ein Bub das soeben gestohlene Geld an die fiese Schülerbande abgeben. Max erfährt, dass Livo, wie er heißt, aus Rumänien kommt und zum Stehlen angehalten wird. Max fühlt sich schuldig und möchte Livo vor Schwierigkeiten mit seinem Boss bewahren. Gemeinsam machen sich die beiden daran, leerstehende Wohnungen ausfindig zu machen.

Auf spannende Weise erzählt "Klettermax" eine insgesamt doch ziemlich traurige Geschichte. Der schnippische Tonfall, den Neffe und Onkel anschlagen, ist zunächst etwas irritiertend, aber letztlich dafür verantwortlich, dass der Konflikt, der in dieser neuen familiären Konstellation schwelt, greifbar wird und die Geschichte glaubwürdig macht: Als Erziehungsberechtigter ist der Onkel einfach überfordert.

Nach der Trauerzeit, die zugleich Schonzeit ist, gilt es sich zurechtfinden, was nicht immer reibungslos abläuft. Da Max gut klettern kann - was "zuhause" beim Onkel und der old school-Haushälterin, niemandem auffällt, Livo allerdings beeindruckt, findet er die dringend benötigte Aufmerksamkeit und Herausforderung. Die wird ihm auch von dem Mädchen Rosa entgegengebracht, die das Duo prompt beim ersten Einbruchsversuch erwischt und die schließlich in das Geheimnis eingeweiht wird. Sehr frisch und authentisch schildert die Autorin die Szene im Freibad, in der sich Rosa und Max für Livo genieren, weil er nicht schwimmen kann und sich ins Babybecken begibt.


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