"Du solltest dich schämen!"

Die israelischen Medien haben im Gaza-Krieg ihre Vielstimmigkeit verloren. Bald fällt die letzte Bastion: der öffentlich-rechtliche Rundfunk

Medien | BERICHT: BETTINA MARX/TEL AVIV | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014


Foto: APA/EPA/Mohammed Saber

Foto: APA/EPA/Mohammed Saber

Rauchwolken über Gaza – sonst bewegt sich nichts auf dem statischen Bild. Es wird übertragen von einer Live-Cam auf einem Hügel am Rand des Gazastreifens und im israelischen Fernsehen in einer Ecke eingeblendet. Doch es vermittelt nichts von dem, was sich in den Straßen des überbevölkerten Gebiets abspielt, vom Sterben und Leiden der Bevölkerung dort, die den Luftangriffen und dem Artilleriebeschuss fast schutzlos ausgeliefert ist.

Im Gazastreifen herrscht Krieg, und die drei israelischen Fernsehkanäle – ein staatlicher und zwei private – senden fast rund um die Uhr. In den Studios sitzen Journalisten und Experten, Professoren und Aktivisten und vor allem viele ehemalige Militärs. Jeder Kanal hat seinen „Ex-General vom Dienst“, der die militärische Entwicklung erläutert. Vom frühen Morgen bis tief in die Nacht wird geredet und debattiert. Dabei sieht und hört man überall die gleichen Interviewpartner. Ehemalige Geheimdienstchefs ziehen von einem Studio zum anderen, frühere Offiziere stehen morgens für das Erste Programm vor der Kamera in Ashdod und sitzen am Nachmittag in einer Talkrunde im Studio des 2. Kanals. Hin und wieder kommt auch ein Experte für arabische Angelegenheiten zu Wort oder die Mutter eines Soldaten oder ein Dorfbewohner aus dem Grenzgebiet zu Gaza.


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