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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Stell dir vor, du bist im Urlaub und keiner bemerkt' s. Man kehrt nach vier Wochen an den Arbeitsplatz zurück und wird mit den Worten "Wolltest du nicht eigentlich auf Urlaub fahren?" begrüßt. So much for Unersetzlichkeit. Es ist eine narzisstische Kränkung der allerersten Güteklasse. Bei anderen merkt es jeder, aber auch da ist es dem oder der Betroffenen eventuell nicht recht. Unvergessen der -im Übrigen bienenfleißige - Kollege, der sich den Beinamen "Urlaubskönig" eingetreten hatte. Glücklich darob war er nicht. Möglich, dass er mit seinem Arbeitgeber Sonderkonditionen vereinbart hat, die ihm im Monat 3000 Euro weniger, dafür aber jährlich 100 Urlaubstage mehr brachten. Möglich auch, dass er nur alle zwei Jahre auf Urlaub ging, dann aber so richtig. Nicht auszuschließen schließlich, dass er lediglich intensiver urlaubte als der Rest von uns und dann jedes Mal braungebrannt, sexuell gut erholt und unverschämt ausgeglichen zurückkam.

Richtig urlauben will also gelernt sein und ist fast so schwer, wie gute Arbeit zu leisten. Man lässt -rein metaphorisch gesprochen, denn außer ein paar warmduschenden Analogheinis verwendet den sowieso niemand mehr - den Bleistift fallen und setzt sich am Freitagabend in den Bumsbomber oder Billigflieger. Wahre Professionalität und Kollegialität beweist vielmehr, wer nicht gierig jedes Wochenende nutzt, das er/sie kriegen kann, sondern die Produktion sauber zu Ende führt, danach die Zurückbleibenden auf ein Getränk ihrer Wahl einlädt und den Urlaub prinzipiell an einem Dienstag antritt.


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