Am Apparat  

Herr Holzner, was haben Sie mit Ihrem Foto verdient?

Telefonkolumne

Politik | Interview: R. Eisenreich | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Am 19. August jährt sich das Paneuropäische Picknick zum 25. Mal (siehe auch Kommentar S. 6). Dass bei dieser österreichisch-ungarischen Aktion in Sopron hunderte DDR-Bürger die Chance nutzten, in den Westen zu gelangen, hatte auch mit den Bildern zu tun, die sie Wochen zuvor im Fernsehen gesehen hatten: Diese zeigten, wie die Außenminister Alois Mock und Gyula Horn mit großen Scheren den Stacheldraht an der Grenze durchschnitten. Die Bilder waren gestellt, verantwortlich dafür war der Fotograf Bernhard Holzner.

Herr Holzner, wie kamen die berühmten Bilder von Mock und Horn zustande?

Die Ungarn hatten am 2. Mai begonnen, den schon ziemlich maroden Eisernen Vorhang zu schleifen. Ich war dort, dachte, mein Foto würde auf allen Titelseiten zu sehen sein, aber das Medienecho war null. Ich habe mich geärgert, mich ganz profan um meinen Erfolg betrogen gefühlt. Deswegen habe ich Mock den Vorschlag zu einer großen Mediengeschichte gemacht.

Es heißt, die Ungarn hätten extra Teile des Zauns wiederaufgebaut?

Das hat der damalige ungarische Premier Németh einmal behauptet, es ist aber Blödsinn. Da waren links und rechts noch kilometerweit drei Reihen Stacheldraht. Auch dort, wo er schon abgebaut war, gab es noch massive Grenzsicherung.

Wie war die Stimmung vor Ort?

Dem Mock hat es einen Heidenspaß gemacht. Die Situation war aber auch spannungsgeladen: Die Ungarn wussten nicht, wie die Russen reagieren werden, das war ein Spiel mit dem Feuer. Ich bin im Konvoi mit Mock und Horn gekommen. Die anderen Journalisten waren schon da und standen mit Blick nach Österreich. Da habe ich dem Mock gesagt, ihr könnt nicht von der österreichischen Seite den Zaun zerschneiden. Das Politische war mir dabei völlig wurscht, nur hätten wir Gegenlicht gehabt.

Was haben Sie mit dem Foto verdient?

Damals 500 Schilling.


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