Multikulturalismus und das Drama des weißen Mannes

Rezension: Isolde Charim | Politik | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Warum ist es nicht mehr cool, ein weißer heterosexueller Mann zu sein? Der Philosoph Luca di Blasi hat nachgeforscht

Es ist schon ein Pech, wenn man links, postkolonial sensibilisiert und radikal ist - und dann ausgerechnet ein weißer Mann! Vielleicht sogar noch ein heterosexueller weißer Mann, eine "weiße männliche Hete“, wie René Pollesch das genannt hat.

Das Pech ist dann ein doppeltes: zum einen gehört man zu jenem Teil der Menschheit, der sich selbst zur Norm aufgeworfen hat und alle anderen damit zur Abweichung machte. Etwa Frauen oder Homosexuelle oder Farbige. Die sind damit negativ markiert, während man selbst unmarkiert bleibt, sozusagen neutral.

Zum anderen aber erfährt man gleichzeitig einen schleichenden Bedeutungsverlust, eine Infragestellung dieser Dominanz. In dieser widersprüchlichen Lage, befindet Luca di Blasi, Dozent für Philosophie an der Universität Bern, sei die Selbstreflexion weißer Männer überfällig. Und so setzt sein Buch mit der Frage ein: "Wie

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