Nachgesehen  

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Das Parlament wird zum Mausoleum: Abschied von Barbara Prammer

Vier Fahnenträger der sozialistischen Jugend im Blauhemd flankieren Barbara Prammers Sarg. Zehn große, rot-weiß-rote Rosenkränze rahmen sie ein. Am Kopfende wacht ein schwarzer Bundesadler auf schwarzem Grund über die verstorbene Nationalratspräsidentin. Es ist ein wunderschönes Arrangement, stilvoll und schlicht zugleich.

Wer Abschied nehmen will, schreitet durch die Säulenhalle über einen roten Teppich bis direkt zu ihrem Sarg. Es ist vollkommen still. Die Aufgebahrte bleibt keine Minute alleine. Die Schlange der Trauernden reißt nicht ab. Manche haben sich schwarz gekleidet, manche kommen im Alltagsgewand. Am Weg ins Parlament sind sie alle an folgender Inschrift vorbeigegangen: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“. Selten war das Parlament würdevoller als an diesem Tag.


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