Enthusiasmuskolumne  

Manche nennen es auch "Industriecharme“

Diesmal: der beste Club der Welt der Woche

Feuilleton | Nicole Schöndorfer | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Das Werk ist acht Jahre alt. "Das Werk“, das ist eigentlich ein Kulturverein. Gemeint ist aber so gut wie immer der finstere Club am Donaukanal, noch 200 Meter statdeinwärts vor der Grellen Forelle.

Früher einmal befand sich die Location unter der Lerchenfelder Straße und hieß "Erdwerk“. Dass der Club noch nie eine ordentliche Garderobe, dafür aber immer schon einen Wuzler hatte, fanden die Besucher voll super. Weniger super fanden die Anrainer in Ottakring den Lärm, den der Betrieb angeblich verursachte. Also übersiedelte man vor gut zwei Jahren in die Spittelauer Stadtbahnbögen. Hausnummer 331 hat es jetzt, das Werk. Szenekenner schwärmen vom coolen "Industriecharme“ des Clubs - was nichts anderes ist als ein Euphemismus für abgefuckt. Nicht grausig abgefuckt, sympathisch abgefuckt; und auch nicht "wir sind so Subkultur und Berlin“, sondern "wir waren das nicht, das war schon so“.

Sogar das New York Magazine empfahl das Werk in seinem Wien-Guide und kaprizierte sich dabei nicht bloß auf den wohl auch in Brooklyn beliebten Industriecharme, sondern empfahl auch kenntnisreich den Underground Techno, der jedes Wochenende dort kredenzt wird.

Underground trifft es in dem Fall, denn die ganz großen Namen kann man sich natürlich nicht leisten. Egal: Support your local heroes!

Darüber hinaus ist es im Werk völlig wurscht, wie man daherkommt, was man "sonst macht“ und ob man die DJs eh so gut kennt, dass man auch mal lässig hinter deren Pult abhängen kann. Vom Hipster bis zum Hippie trinken, tanzen und wuzeln hier alle gerne - und stürzen gemeinsam ab. Mögen dem Werk also noch viele weitere unprätentiöse Jahre in der Wiener Clublandschaft beschieden sein.


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