Ruckedigu, Laura trifft im Wald den Wolf, und der Prinz verliert den Schuh

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Es war einmal, vor vielen Jahren, da wurde Pierre der Tag seines Todes vorausgesagt. Nun, bei der Beerdigung seines ungeliebten Vaters, wird er daran erinnert: 14. März, zwei Monate noch. In der verbleibenden Zeit spielt die Handlung dieses seltsamen Films. Eigentlich heißt "Unter dem Regenbogen“, die vierte Kinoarbeit von Agnès Jaoui (Regie) und Jean-Pierre Bacri (Co-Drehbuch), ja "Au bout du conte“, am Ende des Märchens: ein visuell opulentes Knusperwerk, das aus Erzählungen der Gebrüder Grimm ebenso schöpft wie aus der französischen Märchenfilmgeschichte - von Jean Cocteaus "La Belle et la Bête“ bis Jacques Demys "Peau d’ane“.

Aschenputtel ist hier Pierres Sohn, ein junger, stotternder Komponist namens Sandro; beim Studentenball lernt er Laura kennen, die zwar keine Prinzessin ist, doch immerhin Tochter eines Politikers. Dass er Schlag zwölf wegmuss und auf dem Weg zu seinem Moped noch einen Schuh verliert, ist fast schon zu viel des Guten und ändert nichts am märchenhaften Lauf der Dinge.

So verirrt sich beispielsweise Laura anderntags auf dem Weg zu ihrer mitten im Wald wohnenden Tante Marianne und läuft dem skrupellosen Schürzenjäger Maxime Wolf in die Hände. Derselbe gibt sich Sandro gegenüber später als Konzertveranstalter zu erkennen und bietet ihm eine Galapremiere - falls er bereit sei, seinen besten Freund, den Primgeiger Julien, zu verraten.

Und in dieser Tonart geht es weiter bis zum fröhlichen Schlusstitel: "Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage - und betrogen sich oft.“

Zufall oder nicht, die beiden gelungensten Partien haben Jaoui und Bacri, die seinerzeit als Autoren des theatralen Doppelfilms "Smoking“/"No Smoking“ von Alain Resnais bekannt wurden, für sich selbst geschrieben: Pierre und Marianne, der ewig grantige Fahrschullehrer und die schusselige Lieblingstante. Was sie besonders sympathisch macht: Für beide ist die Zeit der Märchen längst vorbei - aber die Chance, dass es wahr wird, bleibt intakt.

Ab 14.8. in den Kinos (OmU im Votiv)


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