Buch der Stunde

Krank, kaputt und doch nicht einfach trostlos


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Hinter jedem Gartenzaun lauert das Grau’n. Das wissen wir aus den todtraurigen Romanen von Richard Yates (siehe unten) und aus Filmen wie "Blue Velvet“. Wären die zehn Stories aus "Zehnter Dezember“ Filme, dann gäbe es keine Establishing Shots, kaum Totalen, aber Wackelkamera satt. Denn George Saunders, 55, der für dieses Buch von Kritik und Kollegenschaft gepriesen wurde wie kaum ein anderer Autor in den letzten Jahren, führt uns ganz direkt ins Kopfkino seiner aus dem Krieg heimgekehrten, zu medizinischen Experimenten zwangsvergatterten, deklassierten, todkranken und tourettierenden Protagonisten.

Zu Nachbarn möchte man solche eher nicht haben, zumal sie sich schon einmal ein paar zerebral ausgeknipste Migrantenmädchen in den Garten hängen. "Die Semplica-Girl-Tagebücher“ erinnern thematisch stark an die Science-Fiction-Stories von Philip K. Dick (siehe Seite vis-à-vis), bloß dass Saunders ein subtilerer Erzähler und gewiefterer Stilist ist, der sich für jede seiner

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