Prost!  

Eine Limonade, die ein Pin-up namens Judith auf das Etikett hebt

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Macario Aranciata Rossa

Stadtleben | Ms | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Und ewig lockt das Pin-up auf dem Cover. In Andenken an Großmutter Vittoria, die bereits in den 50er-Jahren erfrischende Getränke zum Verkauf feilbot, wurde die Limonadenproduktion von Macario in Casale Monferrato wieder aufgenommen. Damals war der zwischen Turin und Mailand gelegene Ort eine Hochburg für die Herstellung von Zement. Da kam den Arbeitern womöglich eine kleine Erfrischung höchst gelegen. An den Ufern des Pos wird heute noch Reis angebaut und Rotwein gibt es auch. So viel zum Wirtschaftsstandort Casale Monferrato im Piemont.

Man kann statt Pin-up mittlerweile das salonfähig gewordene Wort Burlesque verwenden, so wie das der schlaue deutsche Vertreiber der Macario-Getränke macht, nur sieht man auf den vier verschiedenen Retroflaschen ausschließlich lange, unbehaarte Beine mit dem XX-Chromosomensatz winken. So wohlbekannte wie Gassosa und Tonica und hierorts weniger bekannte wie Chinotto gibt es da. Im Rampenlicht steht nun Aranciata Rossa: Die sizilianischen Blutorangen sind zwar mit 15 Prozent vorhanden, man fragt sich nur, wo der hinreißende Geschmack der kleinen roten Sonnen geblieben ist. Ihre eigenwillige Säure wurde durch die Beigabe von viel Zucker plattgemacht. Schade. Retro und fad. Schlimmer kann es nicht sein.

Aber Moment: Was sieht man auf dem Etikett neben der bestrapsten Hüfte? Ist es die Orange, ein Kürbis, vielleicht ein Helm für die Vespafahrten? Nein, es ist der Kopf des Holofernes, den sich das strahlende Modell geschnappt hat.


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