Die Spiderman-Situation

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014


Foto: dctowers.at/Walter Sieberer

Foto: dctowers.at/Walter Sieberer

Um in die Bar des Melia 57 – des im Februar eröffneten Hotels im höchsten Hochhaus des Landes – zu kommen, muss man zuerst einmal einen windigen, kargen Platz überqueren, auf dem sich ehrfurchtgebietend und doch etwas bedrohlich dieser schwarze, 250 Meter hohe Turm erhebt; dann durch eine automatische Schiebetüre, vorbei an der gigantomanisch gestalteten Erdgeschoß-Bar zu einem Pult in einem finsteren Winkel.

Dort steht eine Dame und fragt, was man wolle. Man sagt: einen Drink in der Bar, dann nimmt die Dame einen Schlüssel, öffnet damit eine weitere Schiebetüre, begleitet einen zu einer Liftschleuse, in die sie einen dann alleine hineinschickt, hinter einem schließen sich Schiebetüren, eine Lifttüre öffnet sich. Keine Tasten, nur ein Notstopp und eine Anzeige, dass es bergauf geht. 25 Sekunden lang. Man steigt aus, folgt Hinweisschildern durch das leere Restaurant (hat gerade Sommerpause), das aber auch im besuchten Zustand eine etwas grau-düstere Atmosphäre besitzt, noch eine Treppe hinauf, endlich da.

Alles schwarz, düster. Gotham City. Zartere Charaktere könnten da bisher schon ein kleines Problem aufgerissen haben, wer Höhenangst hat, sollte diesen Ort vielleicht überhaupt meiden. Um die Bar herum verläuft eine Terrasse, die seit Mai zugänglich ist, was jetzt allerdings spektakulärer klingt, als es tatsächlich ist. Denn rund um diese Terrasse verläuft eine zwischen sechs und zwölf Meter hohe Wand aus Stahl und dunkel getöntem Glas. Man hat eher das Gefühl, in einem Graben zu sitzen als auf einer Terrasse.

Aber der Ausblick ist natürlich gigantisch. Der Stephansdom verschwindet grau und klein in der Stadtmasse, der Mexikoplatz wirkt so nah, als könnte man rüberspucken, die hauchdünne, weiße Nadel der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig da hinten, der Sender Sophienalpe wirkt wie von Außerirdischen implantiert, der Flugplatz beginnt in der Dämmerung zu leuchten. Der Anninger erscheint wie ein Wiener Hausberg, Belvedere und Schönbrunn benachbart. Man kann sich kaum sattsehen.

Seit einiger Zeit hat man einen neuen Bar-Chef engagiert, Markus Altrichter, der auch schon im Halbestadt war und als einer der sehr Guten gilt. Neben den Klassikern bietet Altrichter auch sieben „Signatures“ an, die aber – bis auf einen – alle auf der recht süßen Seite sind, mit Karamell, Kekserln und Baisers arbeiten.

Also „Charles and the seven Tanquerays“, wortreich beschrieben, Thymian-Likör, Tanqueray-Staub, infusionierter Wermut, „fantastische Martini-Variation“ … Es kam dann ein süßer, hellrosa Cocktail mit Piemontkirsche und penetrantem Maraschino-Geschmack, ungefähr das Gegenteil dessen, was zu erwarten war. Kostete 16 Euro.

Und ich hab noch nie so fette Spinnen wie da unter den roten Positionslampen auf den Palisaden gesehen.

Resümee:

Endlich eine wirkliche Hochhaus-Rooftop-Bar. Leider hinter meterhohen Glaswänden und mit süßen Signature-Cocktails.

Melia 57 Lounge, 22., Donau City-Str.
7, DC-Tower, 58. Stock, Tel. 01/19 01 04,
Di–Do 16–1, Fr, Sa 16–2 Uhr, www.melia.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige