Die Residenz neben der Ruine

Steiermark | Reportage: Tiz Schaffer | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

„Das ist unglaubliches Material“, sagt Heimo Wallner. Der Hauptverantwortliche des Hotel Pupik führt durch die Ateliers und kleinen Ausstellungsnischen der ehemaligen Schwarzenberg’schen Meierei Schrattenberg im obersteirischen St. Lorenzen bei Scheifling. Jedes Jahr finden sich dort in der warmen Jahreszeit bis zu 30 Künstler für das Artist-in-Residence-Programm „Hotel Pupik“ ein. Das „unglaubliche Material“, vom dem der 52-jährige Künstler und Musiker spricht, sind die Tonmitschnitte von Clemens Marschall, dem Herausgeber des Wiener Magazins Rokko’s Adventures. Er hat zuletzt in verschiedenen Wiener Tschocherln das Band laufen lassen, während er dort in Begleitung eines Fotografen recherchiert hat. Die Mitschnitte werden Teil seiner Installation „Zur Tränke“ sein, die dieses Wochenende fertiggestellt sein wird. Dann werden die Arbeiten, die während der heurigen Künstlerklausur in Schrattenberg entstanden sind, präsentiert.

Nach der Ankunft in St. Lorenzen führt der Weg zuerst durch das Dickicht der Murauen. Wallner – Rockliebhaber kennen ihn etwa durch seine Band Fugu and the Cosmic Mumu oder seine grafischen Arbeiten für Plattencover des steirischen Labels Rock is Hell – hat vor einiger Zeit an einer Schleife des Flusses einen wunderbaren Badeplatz ausgemacht. Das Wasser der Mur ist überraschenderweise nicht eiskalt, von einer kleinen Anhöhe aus kann man sich auch mit einem Seil in die Fluten schwingen. Aktivitäten wie diese gehören dazu, wenn man als Künstler im Hotel Pupik eincheckt. 1988 hat Wallner die Meierei angemietet und lebt seitdem über weite Strecken des Jahres dort. 1990 hat er das erste einmonatige Symposium veranstaltet, bald darauf wurde der verantwortliche und heute fünfköpfige Verein O.R.F. gegründet, 1999 wurde das Artist-in-Residence-Programm ins Leben gerufen, das sich von Mai bis Ende August erstreckt. Auch Henry, der Hund des in Berlin lebenden Künstlers Sebastian Dacey, kämpft tapfer gegen die Strömung an. Später, in der Meierei, kann Henry – ein Picard – als Motiv eines Gemäldes bewundert werden, das sein Herrl während des Aufenthalts in Schrattenberg angefertigt hat.


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