Selbstversuch

Es gibt heute noch mehr Fleisch, Baby

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Doris Knecht schnallt es endlich

Sommer. Der Test, wie viele Tweens man in eine Hängematte packen kann, bevor sie reißt, hat jetzt ein offizielles Ergebnis: sieben. Tweens, so heißt das, nicht Teenager, der Gries hat mich getadelt, als ich die Zwölfjährigen letztes Mal als solche bezeichnet habe. Sind noch keine Teenager, erst nächstes Jahr, wenn sie thirTEEN sind, schnallstes? Ja, schnall ich, danke. Jetzt sind sie, hat mich der Gries aufgeklärt, noch Tweens, Inbetweens nämlich, keine Kinder mehr, aber auch noch keine offiziellen Jugendlichen. Jajaja, ich hab’s kapiert.

Sommer. Der Gries sägt und feilt und lackiert drüben beim Horwath an dem Segelboot herum, das der Horwath vorletztes Jahr vom Ludescher geschenkt gekriegt hat, nachdem es der Ludescher davor schon zehn anderen geschenkt hatte, die es aber alle nicht aus der Scheune vom Ludescher herausbekommen haben. Weil der Wagen, auf dem es wohl schon seit Jahren gelegen hatte, und zwar schon lang bevor der Ludescher das Haus samt der Scheune gekauft hatte, kaputt und verrostet und nicht zu reparieren war. Jetzt außer vom Horwath, der das natürlich dann als Erster geschafft hat, gemeinsam mit dem Gries, irgendwie, Wochen haben sie gebraucht, aber sie kriegten es raus, und während der Ludescher jetzt eine schöne Laube hat, besitzt der Horwath nun eben ein Segelboot, das seither in der Scheune vom Horwath aufgebahrt ist. Und der Gries repariert es, weil es hat sich herausgestellt, dass das Boot an manchen Stellen leider ein bisschen verfault war, da es eigentlich nicht dafür gebaut worden ist, um jahrelang in einer feuchten Waldviertler Scheune herumzuliegen. Aber der Horwath und der Gries sind entschlossen, es noch heuer ins Wasser zu bringen. Sonst halt nächstes Jahr.

Sommer. Sommerfeste, Geburtstagsfeste, Hauswärmungsfeste. Wir essen jeden Tag Fisolen und Zucchini. Und, na ja, es gibt auch Fleisch, Baby. Alle sind komplett zerstochen, wer Glück hat, nur von Gelsen. Der eben noch strahlend schöne Augusttag wird blitzartig vergewittert, so unerwartet, dass alle Leute am Badeteich völlig blöd im Regen stehen, sogar die Einheimischen, die Wetter gewohnt sind. Die durchnässte Gastfamilie flieht noch in derselben Stunde nach Hause, in die sichere Stadt. Oh, okay; es gibt heute noch viel mehr Fleisch, Baby.

Sommer. Der Lange geht jeden Tag in den Wald und findet endlich auch tatsächlich Schwammerln, richtig viele, halleluja, denn auf die Dauer ist es nicht gut für die Stimmung, wenn immer nur der Horwath körbeweise Pilze aus dem Wald zahrt.

Sommer. Am Wasser liegen und deppert reden und Wartezimmerzeitschriften lesen und zu den Tweens rüberbrüllen, ob sie wahnsinnig sind und dass das nächste Krankenhaus übrigens dreißig Kilometer entfernt ist, aber das wissen sie ja eh schon. Den anderen Badegästen zuschauen, wie sie in einen ruhigeren Strandabschnitt umziehen, nicht ohne Verständnis. Ist schon fünf? Weil, Sommer.


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