Urlaub im Open-Air-Wohnzimmer

Das MQ bietet die nächsten Wochen alles, was man braucht. Wozu also noch heimgehen?

Lexikon | Rundgang: Nicole Schöndorfer | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014


Foto: MQ/Christoph Storn

Foto: MQ/Christoph Storn

Im Ernst, eigentlich könnte man den restlichen Sommer über einfach im Museumsquartier (MQ) bleiben, es sich nachts auf den Enzis bequem machen, sich am Morgen das Gesicht im Brunnen waschen, dann essen, trinken, Filme, Konzerte und Ausstellungen anschauen. Sollte das jemand tatsächlich in Erwägung ziehen, hier ein Leitfaden für die nächsten Tage und Nächte in Wiens 90.000 Quadratmeter großem Wohnzimmer.

Womit anfangen? Am besten mit A wie Architektur. Im Architektur Zentrum Wien findet bis 23. August das Filmfestival „Movies in Wonderland – Architecture with/out Architects?“ statt. Die Filme beschäftigen sich mit der Frage, welche Rolle Architektur in den gegenwärtigen Entwicklungen noch spielt. Nach den Vorführungen kann weiter mit Auskennern der Branche diskutiert werden. Der Eintritt ist frei, auch für Laien kann also nichts schiefgehen.

Bis 30. August läuft außerdem das Frameout-Filmfestival. Vier Filme werden in Kooperation mit „Movies in Wonderland“ gezeigt, sind somit Programmpunkte beider Veranstaltungen. Besonders interessant erscheint „Precise Poetry“, ein Film über den Stil der italienisch-brasilianischen Architektin Lina Bo Bardi, der ganz romantisch mit Poesie verglichen wird.

Am 16. August lädt der WAMP-Designmarkt zum Bummeln auf dem Vorplatz des MQ ein. Handgemachte Schmuckstücke, Taschen, Spielzeuge, Snacks. Das Konzept wurde 2006 in Ungarn entwickelt und ist mittlerweile ein beachtliches, mit Preisen überhäuftes Netzwerk aus mehr als 800 Designern. In Wien ist WAMP zum ersten Mal. Aber Designmärkte gehen hier eh immer.

Neu ist auch die Idee des „Summer of Sounds“. Bis Ende September noch gibt es akustische Besonderheiten. Am 16. und 17. August wird zum Beispiel von 11 bis 17 Uhr Live-Elektronik am Brunnen im MQ-Haupthof gespielt. Im Rahmen des Tonspur_live_open_air macht das Kollektiv NAISA mit „A Gathering of Canadian Sounds“ ein bisschen Hintergrundmusik. Den Abschluss macht übrigens die großartige Singer/Songwriterin Gustav am 25. September.

Wer sich zwischendurch etwas Bewegung verschaffen will, kann ab 18. August bei der Initiative „Sport.Platz Wien“ mitmachen. Deren Auftakt wird ab 17 Uhr auf dem Vorplatz, Ausgang Mariahilfer Straße, mit Musik und Sammelpass-Ausgabe gefeiert. Bis 31. August gibt es dann auch ungewöhnliche Sportarten wie Bollywood Dance, Tai-Chi und Zumba auszuprobieren, die jeweils an unterschiedlichen öffentlichen Orten in Wien angeboten werden.

Damit den Kleinen nicht fad wird, während Mama und Papa Design shoppen oder über Architektur debattieren, gibt es ein großes Kinderprogramm. Von 18. bis 22. August veranstaltet das Zoom Kindermuseum sein Sommeratelier zum Thema Tonbild und Farbmusik. Dabei basteln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Figuren und Kulissen und bauen Instrumente für die Vertonung des später im Studio produzierten Trickfilms. Das Angebot gilt für Kinder zwischen sieben und 13 Jahren. Da der Workshop pro Woche aber stolze 185 Euro kostet, haben die Eltern irgendwie doch etwas davon.


Zur selben Zeit
finden im Leopold Museum die „Sprechenden Bilder“ statt. Dabei erfinden die kleinen Gäste Geschichten zu Gegenständen und Personen, sprechen diese ein, um sie danach an speziellen Hörstationen zu präsentieren. Außerdem gibt es die Initiative „Schrottophon und Müllharfe“, bei der Abfall zu Tröten, Trommeln und Rasseln recycelt wird.

Eines der ganz großen Highlights der Woche ist die Lesung von Daniel Glattauer beim O-Töne-Literaturfestival am 21. August. Der Erfolgsautor präsentiert dort sein neues Buch „Geschenkt“. Den Abschluss der Lesereihe macht Wolf Haas am 28. August.

Auch die multimediale Kunst bietet Extras im Sommer. Arnulf Rödlers Projekt „They – who will accept all that is offered“ ist zwar von nicht so sommerlichem Pessimismus und Fortschrittskritik inspiriert, seine detailreichen Tuschezeichnungen und Installationen kann man trotzdem noch bis 21. August besichtigen. Quartier21-Artist-in-Residence Jérôme Fino aus Frankreich hat inzwischen mit „Open Jack“ im gesamten MQ-Areal Soundinstallationen versteckt. Finden kann man sie bis 28. September.

Und da ist der Sommer auch schon vorbei, und man hat alle Zeit im Museumsquartier verbracht. Es gibt Schlimmeres. Bald kommt ja auch wieder der „Winter im MQ“. Also alles von vorn, nur mit Daunenjacke.


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