Ausstellung Kritik

Der Connaisseur vor der barocken Bilderwand

Lexikon | NS | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Ihm verdankt das Kunsthistorische Museum so großartige Werke wie Bruegels "Jäger im Schnee" oder Rubens' "Haupt der Medusa": Erzherzog Leopold Wilhelm wäre heuer 400 Jahre alt geworden und wird aus diesem Grund mit der Schau "Sammellust" gewürdigt. Stolze 1397 Gemälde zählte das Inventar des Habsburgers 1659 und Teile dieser Sammlung bilden den Grundstock der heutigen Gemäldegalerie. Die Schau zeigt das "Theatrum pictorium", den ersten bebilderten Sammlungskatalog überhaupt, der Leopold Wilhelms beste Werke als Kupferstiche reproduziert.

Aber nicht nur auf publizistische Weise ließ der Erzherzog seinen Kunstschatz dokumentieren. Sein Brüsseler Hofmaler David Teniers d. J. verewigte den Erzherzog in mehreren Galeriebildern, die den Connaisseur vor dicht mit Meisterwerken behängten Wänden bei der Fachsimpelei zeigen. Diese Bilder wurden an andere Höfe als Geschenk versandt, um gebührend mit dem eigenen Kunstschatz anzugeben. In einer Rekonstruktion beweist die jetzige Schau, dass Teniers Werke wie Tizians "Kirschenmadonna" aber nicht maßstabsgetreu wiedergegeben wurden. Zu sehen sind auch Gemäldekopien des niederländischen Künstlers, sogenannte "pasticci". Ein Steckenpferd des Sammlers waren Blumenbilder und sakrale Stillleben, wie die prächtige "Eucharistie, von Fruchtgirlanden umgeben" von Jan Davidsz de Heem. Auch interessante Kunstkammerobjekte sind zu sehen, so etwa eine Phalera, ein Schmuckstein als Auszeichnung für römische Militärs, die ausgerechnet ein Amorgesicht zeigt. Aus einem Walrosszahn wurde im 17. Jahrhundert eine Fruchtbarkeitsgöttin mit Füllhorn geschnitzt. Die Schau beschränkt sich nicht nur auf den Sonderausstellungssaal: Auch in der Gemäldegalerie und in der Kunstkammer werden Leopold Wilhelms Werke mit Logo ausgewiesen.

Kunsthistorisches Museum, bis 28.9.


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