Die (Nachwuchs)hoffnung stirbt zuletzt

Christoph Dolgan und Ferdinand Schmalz sind zwar nicht die jüngsten, gelten aber als Nachwuchshoffnung

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Mit Christoph Dolgan und Ferdinand Schmalz sind Erwartungen verknüpft. Das zeigt etwa, dass sie diese Woche auf der Hör- und Seebühne des ORF unter dem Titel "Ballastexistenz + Dosenfleisch = ein starker Nachwuchs" lesen werden. Sie gehören also zu den Nachwuchshoffnungen Grazer Provenienz, auch wenn Dolgan 1979 und Schmalz 1985 geboren ist.

Dolgan hat voriges Jahr im Droschl-Verlag seinen Debütroman "Ballastexistenz" herausgebracht, viel Kritikerlob und Preise dafür geerntet. "Ein starkes Debüt", war desöfteren zu lesen. Und die Preise: Er erhielt den manuskripte-Förderpreis 2013 und die Autorenprämie des BMUKK für ein gelungenes Debüt. Man muss sagen, er hat es sich verdient: "Ballastexistenz" erzählt dunkelgrau von einer Arbeiter-und späteren Arbeitslosensiedlung, der namenlose Ich-Erzähler wächst bei seiner alkoholkranken Mutter auf, die sich nach ihrer Arbeit meist in einem Tankstellentschocherl, mitunter zuhause, bis zur Besinnungslosigkeit besäuft -und wenn sie liegen bleibt, darf ihr Kind sie zusammensammeln. Die genauen Beobachtungen lassen in soziale und seelische Abgründe blicken, die gar nicht so leicht zu verdauen sind -hier gehen Existenzen zugrunde. Die NZZ titelte ihren Artikel zum Buch mit "Das System Wahnsinn".

Ferdinand Schmalz hat einen schönen Namen, mit dem er auch gerne ein wenig spielt - so nannte er sein Debütstück "Am Beispiel der Butter". Es wurde voriges Jahr mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet, heuer war es als eine der sieben besten Novitäten für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. Die Jury konstatierte: "Ihm gelingt das Kunststück, am Modell einer winzigen Provinzmolkerei die halbe Welt zu analysieren: den Kapitalismus, die Konstitution von Gemeinschaften." Dann gibt es noch sein Blog, das sich die schmalzette nennt, auf der Homepage des für den Retzhofer Dramapreises verantwortlichen Drama Forum meinte er auf die Frage, was er sich für die Kunst wünsche: "Mehr Butter in allen Ecken." Schmalz ist in Graz geboren, in Admont aufgewachsen, heute studiert er in Wien Philosophie und Theaterwissenschaft. Natürlich hat auch Wien seine Qualitäten schon erkannt, voriges Jahr war er der Alsergrunder Bezirksschreiber, heuer hat er das Wiener Dramatik Spipendium eingeheimst. Auf der Hör- und Seebühne wird er aus unveröffentlichte Schriften lesen: Zum einen aus "Ko", dabei handelt es sich um Kurzprosa, und aus dem Drama "Dosenfleisch". Dazu spielt das Quartett Coinflip Cutie, wie es heißt, Alternative Acoustic Rock.

Park des ORF-Landesstudios, Graz, 14.8. (Do) 20.00


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