Film Neu im Kino

Ein magisches Abenteuer: Die Karte meiner Träume

Lexikon | MO | aus FALTER 33/14 vom 13.08.2014

Auf einer Ranch mitten in Montana lebt der außerordentlich begabte T. S. Sein Vater ist ein maulfauler Cowboy, seine Mutter eine verbohrte Insektenforscherin; Gracie, seine große Schwester, nennt ihn "Spast" und hat außer Schönheitswettbewerben wenig im Kopf, sein Zwillingsbruder Layton, quasi Ebenbild des Vaters, schießt auf alles, was sich bewegt. Einmal, vor einem Jahr, als T. S. sich für Ballistik zu interessieren begann und mit seinem Bruder in die Scheune spielen ging, löste sich ein tödlicher Schuss aus der Flinte.

Seither hat T. S., der hochbegabte Zehnjährige, ein Trauma weg. Davon handelt "Die Karte meiner Träume", der neue Film von Jean-Pierre Jeunet, der sich mit zwangsoriginellen Zuckerbäckereien à la "Die fabelhafte Welt der Amélie"(2001) einen Namen gemacht hat. Als literarische Vorlage dient der französisch-kanadischen 3-D-Produktion das Jugendbuch "The Young and Prodigious T. S. Spivet" von Reif Larsen.

T. S. war noch nie in der Stadt. Nun macht er sich heimlich ganz allein auf den langen Weg nach Washington, D.C., um den bedeutendsten Wissenschaftspreis des Landes entgegenzunehmen. Unterwegs gibt es manch schöne, von Chaplins "The Kid"(1921) abgekupferte Szenen. Die abenteuerliche Reise als blinder Passagier auf Frachtzügen und als Autostopper wird für zum Selbstfindungstrip, die Familie ganz am Ende - no na - versöhnt.

Jeunet setzt - wie könnte es anders sein! - ungeniert auf Staunemachkino, zeigt aber für die mechanischen Apparaturen seines kleinen Helden erstaunlich wenig Interesse. Das von ihm erfundene Perpetuum mobile, das 400 Jahre lang Energie spendet, wird nur zwei, drei Mal verschämt kurz ins Bild gerückt. So ist die äußere Bewegung schließlich doch bei weitem nicht so wichtig wie die innere der Figuren.

Bereits in den Kinos (OmU-3D im Votiv)


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