Kunst Kritik

Künstlerinnen von gestern und von morgen

Lexikon | NS | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Die Künstlergruppe "Cercle et Carré", deutsch: Kreis und Quadrat, wurde Ende der 1920er-Jahre in Paris gegründet und versammelte 1930 in einer großen Galerieausstellung so berühmte Maler wie Piet Mondrian, Wassily Kandinsky oder Fernand Léger. Auch die Französin Marcelle Cahn (1895-1981) zählt zur ersten Generation abstrakt arbeitender Künstler und gehörte der Gruppe an, ist aber heute so gut wie vergessen. Bei Hubert Winter werden nun Arbeiten der Künstlerin ab 1956 präsentiert, die der Galerist über die Jahre zusammengetragen hat.

"Ich liebe das Elementare", hat Cahn auf eine ihrer Arbeiten mit Tusche geschrieben. Ihre Papiercollagen mit schwarzen und roten Punkten entstanden auf Briefkuverts. Es beweist Sensibilität und Rhythmusgefühl, wie Cahn Schichten übereinanderlegt und Proportionen auslotet. Dass ihr der Pfad einer Geometrie im Spätwerk nicht mehr genügte, beweisen ihre sanften Buntstiftzeichnungen, in denen sie wolkige Formen schweben lässt.

Unter dem Titel "et le réel impossible" kombiniert die Ausstellung Cahns Arbeiten mit den Fotografien der 1981 geborenen Niederösterreicherin Tina Lechner. Die analogen Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen Modelle mit kugelund zylinderförmigen, aus Karton gefertigten Kopfbedeckungen. Lechners Bilder lassen an die Bauhaus-Fotokunst und an avancierte Modefotografien der 1950er-Jahre denken. In ihren auf den ersten Blick perfekt wirkenden Fotografien bringt die Künstlerin die Spuren der Bastelei aber keineswegs zum Verschwinden und manipuliert die Bilder auch sonst nicht. Lechners Faszination für den fotografischen Prozess wird auch durch ihre Solarisationen deutlich, Verfremdungen durch starke Überbelichtung, die noch stärkere Anklänge an die Fotogeschichte haben.

Galerie Hubert Winter, bis 30.8.


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