Enthusiasmuskolumne

Lass Pulpe sein, schmurgle die Tomate ein

Diesmal: die schönste Saisonarbeit der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

In seiner mehrteiligen Philippika wider eine falsch verstandene Italianità in der Küche - quasi alla pronto - hat Kollege Meisinger unlängst Erhellendes über die vom Faktor Zeit unabhängige "gebotene Küchenarbeit" und die Schändlichkeit des Einsatzes fertiger Tomatenpulpe geäußert. Als Tetrapaktomatenpulpenutzer leicht beschämt, habe ich diese Ermahnungen sofort beherzigt und auf dem Markt gleich zwei Kilo Freilandtomaten ("Das werden Sie schmecken!") um 2,50 Euro erstanden.

Ich mache immer alles, was mir andere anschaffen, wenn sie mehr von einer Sache verstehen als ich (was praktisch immer der Fall ist). Also habe ich die Tomaten geteilt, mit der Schnittfläche nach oben auf ein Backblech gelegt, mit kleingeschnittenem Knoblauch und Olivenöl bestrichen, ordentlich Salz und Pfeffer drübergerieben, noch ein paar Kräutlein draufgetan und das Ganze bei 180 Grad Celsius in den vorgeheizten Ofen geschoben. Hugh Fearnley-Whittingstall made me do it!

Wenn das Ganze dann ordentlich niedergesimmert ist, wird das Zeug passiert. Ich rate davon ab, den Gerätefuhrpark eigens aus diesem Grunde um eine Flotte Lotte zu erweitern. Kochbuchautor HFW sieht als Alternative einen Holzlöffel vor, um den Gemüsegatsch durch ein Sieb zu streichen, ich kann berichten, dass auch die tomatenfarbene Große Kochkelle von Le Creuset tadellose Dienste tut.

Diese einige Ausdauer erfordernde, aber gebotene Tätigkeit hat etwas herrlich Meditatives, praktisch Küchenbuddhismus pur. Die Tomatenmaische, die anfällt, wirft HFW weg, vermutlich könnte man daraus auch einen tollen Tomatengrappa destillieren. Ich bin aber schon mit meinem ersten selbstgerührten Liter Schmortomatensauce sehr zufrieden. Arrrrriva arrrrabiata!


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