Der Terror des digitalen Rosenkranzes

Der Philosoph Byung-Chul Han bedient mit seiner Kritik am Neoliberalismus konservative Ressentiments gegen die Gegenwart

Politik | Rezension: Matthias Dusini | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Das Leistungssubjekt, das sich frei wähne, sei in Wirklichkeit ein Knecht. Das ist eine der vielen schlechten Botschaften, die der deutsche Philosoph Byung-Chul Han in seinem neuen Essay "Psychopolitik - Neoliberalismus und die neuen Machttechniken" verkündet. Er sieht im Neoliberalismus ein System, das die Freiheit ausbeutet. Die neoliberale Herrschaft preise die Autonomie des unternehmerischen Selbst, ohne deren Risiken und Nebenwirkungen zu erwähnen. "Die psychischen Erkrankungen wie Depression und Burnout sind der Ausdruck einer tiefen Krise der Freiheit", schreibt der an der Universität der bildende Künste Berlin lehrende Denker.

Die Klage über das Leiden der zur Souveränität Verdammten ist nicht neu. Der französische Soziologe Alain Ehrenberg etwa beschrieb das "erschöpfte Selbst" als Folge gesteigerter Erwartungen an die eigenen Leistungen. Auch die kanadische Publizistin Naomi Klein untersuchte eine neue Form des Kapitalismus, der die Seelen der Konsumenten kolonisiert.


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