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Politik | B. Tóth | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Ein Atlas der Verantwortung

Die Julius Raab Stiftung ist unter ihrem jungen Präsidenten Harald Mahrer (41) aus dem Dämmerschlaf erwacht. Der mediengewandte Unternehmer versucht das wirtschaftsnahe Denk-Institut als marktliberal, aber gesellschaftspolitisch verantwortungsbewusst zu positionieren.

Jüngstes Beispiel für diese Bemühungen ist der "Verantwortungsatlas". Auf 150 Seiten finden sich Zahlen, Daten und Fakten zu Schlagwörtern wie "wirtschaftliche Leistungskraft","stabiler Staat" oder "gutes Leben".

Man erfährt etwa, dass 88 Prozent aller Männer mit Kindern Vollzeit arbeiten, aber nur 20 Prozent aller Frauen. Dass es in Wien 54 betriebliche Kindergärten gibt, was nur 2,3 Prozent des Gesamtangebots ausmacht. Dass die Lohnnebenkosten in Österreich mit 37 von 100 Euro in Europa die siebthöchsten sind. Dass in Österreich nur drei Euro pro Bewohner von Vermögenden für gemeinnützige Stiftungen gespendet werden, während es in Deutschland 183 Euro und in der Schweiz 160 Euro sind. Oder dass der tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Österreich zum Duschen 25 Liter beträgt und zum Pflanzengießen und Autowaschen nochmal zwölf Liter. Die Anzahl der ausgewerteten Statistiken ist beeindruckend, die Aufmachung übersichtlich. Auch die Quellenangaben sind sauber gelöst.

Dass zwischen den Atlasseiten die Unternehmenschef von Erste, EVN und den Österreichischen Lotterien recht freundlich interviewt wurden, liegt daran, dass diese Unternehmen - gemeinsam mit der Wirtschaftskammer - den Atlas finanziell unterstützt haben. Die Absicht dahinter ist klar. Hier wollen Konzerne dokumentieren, dass sie sich um gesellschaftliche Verantwortung sorgen. Zu diesem Thema gibt es auch extra viele Grafiken. Trotzdem blättert man gerne im Rest des Atlas.

Julius Raab Stiftung: Verantwortungsatlas Österreichische Wirtschaft. Edition Noir, 148 S., € 21,90


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