Selbstversuch

Keine Jacke, mach ein Foto!

Doris Knecht macht sich einen ruhigen Abend

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Ich korrigiere. Bei dem Boot, das hier letztes Mal durchsegelte beziehungsweise eben nicht, handelte es sich nicht um das Segelboot vom Horwath. Es handelte sich um das Segelboot vom Horwath und vom Gries, denen es, wie mich der Gries abermals zurechtwies, gemeinsam gehört. Zu gleichen Teilen, verstehst du! Ja! Wobei dem Gries offenbar die kaputte Hälfte zugewiesen wurde, weil den Horwath seh ich nie daran arbeiten, der hat allerdings auch genug anderes zu tun. Aber der Horwath stellt die Scheune, die das Boot praktisch zur Gänze ausfüllt, und das Haus, in dem der Gries und seine Familie und alle anderen Freude vom Horwath gerne wohnen, wenn sie in sich Landgefühle fühlen. Das kommt vorwiegend im Sommer häufig vor; wenn auch diesen Sommer ein Alzerl weniger häufiger als in anderen Sommern, das Wetter ist schuld.

Letzte Woche war trotz des Wetters die Svoboda da, der Antilandmensch par excellence. Wenn die Svoboda da ist, setzt sie sich an den Gartentisch und wünscht, auf einem angemessenen Niveau unterhalten zu werden, und wenn es langweilig wird, das Niveau zu stark sinkt oder das Kinderrudel lärmend vorbeischaut, setzt sie sich an den nächsten Gartentisch und hofft dort auf kurzweiligere und weniger nervenaufreibende Unterhaltung.

Dazwischen verscheucht sie irgendwo ein Huhn, maßregelt eine Katze oder schaut einmal in den Wald, was bedeutet, dass sie mit dem Auto an den Waldrand fährt und in den Wald schaut. Das macht sie so lange, bis sie alle Gärten zweimal durch ist oder das Wetter umschlägt, dann fährt sie dankbar wieder in die Stadt zurück, winkt zum Abschied und denkt sich, ihr armen Schweine, ihr müsst noch den ganzen Sommer dableiben.

Diesmal hat der Landbesuch der Svoboda so angefangen, dass ihr ein Reh ins Auto gerannt ist, der Jäger musste kommen und alles. Es ist eigentlich ein Wunder, dass sie danach nicht gleich wieder umgedreht und zurück in die Stadt gefahren ist. Ist sie nicht, sie war sehr tapfer und schaute auch in unserer lauschigen Laube vorbei, am Sonntag, als der Mond riesig und es ausnahmsweise Sommer war, kein Regen, kein Gewitter, so warm, dass man noch spät am Abend ohne Jacke sitzen konnte: Da, schau, keine Jacke, siehst du, mach ein Foto!

Eigentlich hatten der Lange und ich einen ruhigen, strikt alkoholfreien Abend geplant, der dann durch unerwarteten, fröhlichen Freundeszulauf so verlaufen ist, dass wir am nächsten Tag acht Weinflaschen weggeräumt haben, wobei die Svoboda gar nicht mitgetrunken hatte.

Aber zuerst hatte man am Badeteich welche getroffen, die man schon lange einladen wollte, dann schauten noch die allerneuesten Nachbarn vorbei, erschöpft und durstig von einem langen, anstrengenden Tag in ihrem neuen alten Haus, und der Lange hatte schon wieder Schwammerln gefunden, auch das musste man feiern. War schön. Und auch von diesem Sommer werde ich mich wieder den ganzen Herbst erholen müssen.


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