Ohren auf In Austrian, please!

Yo!Zepp, sei kein Depp, die Zukunft liegt im Alpenrap

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Seit Jahren wird vor dem Verlust des österreichischen Dialekts gewarnt. Jenseits der Sprachtraditionalisten haben sich die Hip-Hopper als die ambitioniertesten Bewahrer des Dialekts erwiesen. Bei ihnen klingt Mundart in den besten Fällen noch immer frisch. Das schönste Beispiel liefern Yo!Zepp, Chrisfader & Testa mit dem Album "Von Seiten der Gemeinde" (Duzz Down San). Vor zehn Jahren sind sie aus dem Tiroler Oberland nach Wien geflohen. Ihre Wurzeln ließen sie nicht los, und so begannen sie vor fünf Jahren damit, in Mundart zu rappen. Nach der EP "Bauer to the People!" legen sie nun ein ganzes Album mit Heimatklängen vor. Jahrelang wurde dafür Material aus regionalen TV- und Radiosendern gesichtet und schließlich zu einem ebenso kritischen wie witzigen Rap-Hörspiel mit guten Beats arrangiert. In dessen Verlauf lernt man nicht nur die älteste Bewohnerin des Bezirks Imst kennen, es werden auch original "Kaskiachla" gekocht.

Faustdick hinter den Ohren haben es auch Brenk Sinatra &Fid Mella. Auf ihrem Album "Chop Shop 2 - Singende Klingende Unterwelt" (Hector Macello) sorgen Samples aus Strizzi-Liedern und Interviews mit Wiener Proleten alter Schule für das entsprechende lokale Flair. Wo im Hip-Hop sonst Mafiafilme zitiert werden, schmecken die Stücke hier nach Doppler: "Gegend anschau'n. / Und i verdurscht. / Na, so geht des ned!" Sinatra &Mella setzen der alten Wiener Vorstadt mit besonderer Berücksichtigung der Unterwelt ein musikalisches Denkmal.

Die fleißigsten Dialektrapper sind die Oberösterreicher. Die Texta-Mitglieder Laima &Def Ill erweisen sich auf ihrem sehr abwechslungsreichen Album "WeenA2"(Tontraeger) - das v.a. aus Samples der US-Kultband Ween besteht - als Freigeister, die sich stilistisch wie sampletechnisch aus den verschiedensten Quellen bedienen (darunter "Ein Echter Wiener geht nicht unter") und sogar dann lässig klingen, wenn sie stottern ("Atombombnkroftwerke").


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