Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Right to Party

Spannend, was uns da alles entgangen ist, und was wir -falls wir es je wussten - längst wieder vergessen haben. Nach der Aufregung um den Deal mit der Sammlung Leopold, "dessen Sammlung der Planlosigkeit der Museumsquartier-Verantwortlichen zupass kam" (Falter-Kunstkritiker Markus Wailand), stand als Nächster ein alter Kunstmarkt-Bekannter vor der Tür. "Baustoffh ändler und Kunstsammler Karlheinz Essl bot sich an, den sogenannten Leseturm mit seiner Sammlung Schömer zu füllen. Und schon steht Krone-Herausgeber Hans Dichand, auch ein Kunstsammler, vor der Tür."

Der löste die Affäre allerdings auf seine Weise, indem er mittels Propaganda in seinem Blatt den Bau des Leseturms einfach verhinderte. Essl musste also 20 Jahre warten, ehe er wieder irgendwo vor der Tür stehen konnte, während Dichand wohl das öffentliche Interesse abwog (man sagt, der Leseturm hätte einem Großinserenten der Krone die Sicht auf die Innenstadt verstellt) und großmütig seine kunsthändlerischen Interessen zurückstellte. Es gab halt noch wahre Wohltäter vor 20 Jahren. Wo sind sie geblieben?

Der Falter war nicht gut gelaunt in dieser Woche. Das Stadtparlament war zu alt, sogar die grünen Gemeinderäte wiesen einen Schnitt von fast 45 Jahren auf. Clubbings sperrten reihenweise zu, das Alte AKH, das Mekka und Clubbings im Prater. Und das Sommerloch, wusste der Index Wiengefühl, "verschlang ganze Straßenbahngarnituren. Gott sei Dank sind aber keine Züge verschwunden, bloß die Intervalle ausgedehnt worden."

War denn überhaupt kein Widerstand in Sicht? Doch, Thomas Rottenberg fand ihn. "Für das ,Right to Party' auf die Straße gehen würden aber nicht nur die Veranstalter aller Stil-und Szenerichtungen, auch die Kids wären dabei. Auf die Frage,,Wofür würdest du kämpfen?' antwortet ein 17-jähriges Ravehörnchen in der Ö3-Jugendsendung 'Zick-Zack':,Für mein Recht, Spaß zu haben.'" So war es vor 20 Jahren, und so ist es bis heute geblieben. Wenn sie nicht gestorben sind!


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