"Lassen Sie uns nicht über Mode sprechen, Frau Westwood"

Vivienne Westwood hat die Modewelt verändert. Das reicht ihr nicht. Sie möchte die Welt retten. Ein exklusives Interview

Stadtleben | Interview: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Vivienne Westwood muss sich erst einmal die Bilder im Hotel Sacher anschauen. Auf gefährlich hohen Plateausohlen, gehüllt in selbst entworfene Walleklamotten und eine gemütliche Strickjacke geht die Designerin durch die „Sacher Stube“, die an diesem Sommervormittag für das Publikum noch nicht geöffnet ist. „Dieses Haus ist voller Bilder“, sagt die 73-Jährige in feinstem Alte-Damen-Englisch. Kurz darauf sitzt die berühmteste Modeschöpferin der Welt an einem Kaffeehaustisch und putzt sich lautstark die Nase. Nach ein paar Minuten scheinen sie auch die Menschen nicht mehr zu irritieren, die ihren Kopf neugierig bei der Türe hereinstecken.

Als Interviewpartnerin ist Westwood nicht ganz unheikel. Sie hat ein Anliegen und eine Botschaft: Sie will nicht über Mode sprechen, sondern darüber, dass es höchste Zeit ist, die Welt zu retten. Manchmal verliert sie den Faden, reißt gleichzeitig mehrere Themen an, kommt aber immer wieder zum Punkt. Ihr stockt der Atem, wenn sie an die Katastrophen der Welt denkt, voller Sorge legt sie sich die Hände über das Gesicht, seufzt. Statt feuerrot gefärbter Locken trägt sie neuerdings ihr Haar raspelkurz und weiß. Aus der einstigen „Queen of Punk“ ist eine weise Frau geworden, eine, die sich um die Zukunft der Menschheit Gedanken macht, die sich engagiert, statt zu resignieren.


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