Tiere

Wutbürgerei

Peter Iwaniewicz weiß, dass die meisten Füchse durch Jagd und Verkehr sterben, bevor sie ein Jahr alt werden

Falters Zoo | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014


Würde ein Außerirdischer im Sommer österreichische Zeitungen lesen, dann hielte er Kühe für die gefährlichsten Tiere unseres Landes. Jede Woche gibt es Meldungen von Übergriffen auf Touristen, deren bevorzugte Urlaubsbeschäftigung es offenbar ist, mit freilaufenden Hunden über Weiden mit Kälbern und deren nervösen Muttertieren zu zockeln.

In regionalen Medien berichtet man nur ungern derart unpassendes Verhalten der Tierwelt gegenüber den Feriengästen. So konnte man letzte Woche auch nur auf ORF.at über einen weiteren dramatisch endenden Übergriff lesen: Im Tiroler Pfunds kam es zu einer „Fuchsattacke“, bei der „ein 24-jähriger Teilnehmer eines Abenteuercamps von dem Tier gebissen“ wurde und „in der Innsbrucker Klinik behandelt“ werden musste. Eh klar, Abenteuercamp! Wahrscheinlich hat ein übermotivierter und mit Testosteron bis über die Ohren abgefüllter Jungmann mit der bloßen Hand einen Fuchs aus seinem Bau gezerrt und wurde beim Selfie-Machen in die Nase gebissen. Nein, weit gefehlt und typisches Vorurteil über das Verhalten unserer sensiblen nördlichen Nachbarn. Was wirklich geschehen ist: Beim Aufwachen sah der Campteilnehmer einen jungen Fuchs vor seinem Zelt, der „davonlief“. Dann entdeckte der Abenteurer „am Arm einige Kratzer“. Davon offenbar geschockt und völlig regungslos darniederliegend, wurde „der 24-Jährige zunächst ins Krankenhaus Zams und in späterer Folge in die Innsbrucker Klinik gebracht“. Blaulicht, Folgetonhorn und volles Programm, denn Smaug der Drache hat das Tal angegriffen. Stimmt nicht ganz, es gab nur eine „prophylaktische Impfung gegen Tollwut“. Obwohl – wie man von offizieller Seite sofort betonte – Österreich seit 1997 tollwutfrei ist. Aber der Täter war noch flüchtig und war „bereits vor dem Vorfall rund um das Camp aufgefallen“. Bekanntlich sind junge Füchse sehr neugierig und noch wenig menschenscheu. Egal, wen interessiert das. Auf ORF.at erfuhr man dann, wie der Schuldige (die Indizien waren ja wohl noch eindeutiger als beim Verfahren gegen den WKR-Demonstranten Josef S.) seiner gerechten Strafe zugeführt wurde: „Nachdem der Versuch, das Tier lebend zu fangen, scheiterte, wurde es nach Auskunft der Polizei fachmännisch erlegt.“ Und dann wahrscheinlich zerlegt. Liebe Abenteurgäste: Tirol ist wieder sicher! Und das mit den Kühen bekommen wir auch noch hin.


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