Ins Mark

Auf halber Strecke

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Gerade die Steiermark hat es vorgezeigt: Wenn die Züge öfter fahren und Verbindungen besser werden, steigen viele Leute auch um. Rund 43.000 Menschen fahren im Schnitt Tag für Tag mit der S-Bahn zwischen Graz und den Regionen, um fast 60 Prozent mehr als vor der Ausbauoffensive.

Auch der jüngste Bahntest des Verkehrsclub Österreich zeigt: Öffi-Fahren liegt im Trend. Jeder zweite Fahrgast ist auf einzelnen Strecken vom Auto umgestiegen. Mehrheitlich besteht der Eindruck, die Bahn sei pünktlicher geworden, sauberer, die Schaffner seien freundlicher. Dennoch rufen die Kunden aber auch nach mehr Verbindungen. Das ist in ganz Österreich so, in der Steiermark sind aber laut VCÖ mehr Kunden mit Reisedauer und Häufigkeit der Verbindungen unzufrieden: Von Graz nach Wien pilgert man noch immer gleich lang wie vor 40 Jahren. Und manche Verbindung, etwa in die Obersteiermark, gibt's heute seltener und nur noch mit Umsteigen. Dass 85 Prozent der 170.000 Graz-Pendler mit dem Auto hereinrollen, zeigt ebenfalls, dass das Angebot noch lang nicht reicht.

Doch der geplante weitere Ausbau der S-Bahn ist gestoppt. Es gebe viele Wünsche aus den Regionen, denen er auch gern nachkommen würde, sagt Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ). Doch: "Aus finanziellen Gründen ist an einen Ausbau leider nicht zu denken." Auch das boomende Graz ist ratlos: Sowohl der Hilferuf an den Bund um Geld für den nötigen Öffi-Ausbau blieb ungehört als auch der Ruf ans Land, dieses möge eine Nahverkehrsabgabe einheben. So tüftelt man nun an City-Maut und höheren Parkgebühren herum. Beliebt ist das alles nicht. Passiert aber nichts, werden die Staus in Graz noch länger.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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