Warze auf Goldgrund

Restauratoren offenbaren im Belvedere die Geheimnisse gotischer Malerei. Auf dem Arbeitstisch liegt ein Altar von Rueland Frueauf

Feuilleton | Reportage: Matthias Dusini | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Für eine Restauratorin ist das Foto wie ein Stich ins Herz. Man sieht, wie zwei Tischler ein gotisches Altarensemble in acht einzelne Bildtafeln zersägen. "So etwas wäre heute undenkbar", sagt Stefanie Jahn, Leiterin der Abteilung Restaurierung im Museum Belvedere.

Seit einem Jahr ist sie mit ihrem Team damit beschäftigt, ein Hauptwerk von Rueland Frueauf dem Älteren von Schmutz und Übermalungen zu reinigen. Der Lendenschurz von Jesus Christus war ursprünglich hauchdünn und transparent und wurde in späterer Zeit durch eine opake "Barockwindel" ersetzt, wie es im Fachjargon heißt.

Der Altar zeigt Szenen aus dem Leben Jesu, von der Geburt bis zum Kreuzestod. Ursprünglich stand der 1490/91 gemalte Flügelaltar wohl in der Salzburger Stiftskirche St. Peter und gelangte 1807 in die kaiserliche Gemäldegalerie nach Wien. Dass er überhaupt erhalten blieb, grenzt an ein Wunder. In Salzburger Archiven fanden sich Hinweise, dass gotische Tafelbilder in der Barockzeit in die Salzach geschmissen


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