Dann lieber mediterran

Ein verfluchtes Lokal muss einen doch nicht entmutigen, oder?

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014


Malek Malki bietet „traditionelle Köstlichkeiten“ an. Man muss sie aber erst finden (Foto: Heribert Corn)

Malek Malki bietet „traditionelle Köstlichkeiten“ an. Man muss sie aber erst finden (Foto: Heribert Corn)

Die durchschnittliche Lebensdauer eines Lokals mit der Adresse Gumpendorfer Straße 16 lag bisher bei 7,64 Monaten. Das mag in New York eh lang sein, an der Gumpendorfinger, wo das Café Sperl heuer 134 Jahre alt wird, das Hanil gerade seinen 25er bejubelt und auch das Ra’mien ins 13. Jahr glitt ist, ist es das aber nicht.

An die Namen der Lokale, die an dieser Adresse scheiterten, kann sich kaum mehr jemand erinnern, um das „Boca loca“ war es zweifellos schade, um das „Martin“ unter Küchenchef Alexander Mayer erst recht. War. Im März übernahm Malek Malki das Lokal trotzdem. Malki hatte zuvor eine Imbissbude in einem Simmeringer Einkaufszentrum, sein Onkel führt ein gutgehendes italienisches Ristorante in Sindelfingen, und seine Zuversicht, es hier ebenso zu schaffen, erscheint grenzenlos. Und das, obwohl man am Naschmarkt auf sein frühes Ende wette, erzählt er. Das spornt ihn aber offenbar nur noch mehr an.

Malek Malki nannte das Lokal jetzt Benjaminis, okay, warum nicht, und führt im Untertitel die Zeile „traditionelle Köstlichkeiten“. Das ist natürlich ein bisschen vage und wird auch nicht klarer, wenn man sich die Karte anschaut, die nicht weniger als 35 Hauptspeisen aufzählt.

Er wolle am Anfang so richtig Gas geben, erklärt Malki, was eh super ist, was dank dieses Überangebots aber halt leicht dazu führt, dass man ob solchen Nullnummern wie Insalata Caprese, gemischtem Salat mit Hühnerstreifen, diversen Linguine und Pappardelle bis zu Schweinsmedaillons mit grüner Pfeffersauce und Kroketten, Wiener Schnitzel und Cordon bleu Hawaii (doch, wirklich!) übersieht, was da auf der Karte noch steht.

Gerichte nämlich, die nicht nur tausendmal interessanter sind, sondern vom aramäischstämmigen Malek Malki und seinen ebenfalls aus Syrien stammenden Köchen wohl sehr viel überzeugender rausgebracht werden. Mit Syrien wolle er aber nicht assoziiert werden, das verschrecke die Gäste, fürchtet er, darum lieber „mediterran“.

Schade, aber egal, muss man halt etwas genauer in die Karte schauen. Und dort dann etwa ein „Benjaminis Tartar“ antreffen, das tatsächlich aus Lammfilet faschiert sowie einer grandiosen Gewürzmischung aus Kreuzkümmel, Koriandersamen, Chili und wohl noch einigem mehr besteht und mit gerösteten Pistazien getoppt wird. Wahnsinn, ist das gut (€ 8,90)!

Die Couscous-Teigtaschen mit Rindfleischfülle waren dagegen leider ein bisserl fad, kaum vorstellbar, dass das so gehört (€ 7,90). Und Kalbs-Spareribs hab ich in Wien überhaupt noch nie gegessen, unglaublich gut, fett und köstlich, wie großartig erst, wenn da nicht frittierte Bratkartoffeln und Ketchup dabei wären, sondern von mir aus Taboulé, Mutabbal, Ful oder sonst was Syrisches. Denen am Naschmarkt, die gegen ihn wetten, muss es ja nicht schmecken.

Resümee:

Was auf den ersten Blick durch Überangebot verwirrt, bietet eine der derzeit interessantesten südmediterranen Karten der Stadt.

Benjaminis
6., Gumpendorfer Straße 16, Tel. 01/974 01 36, Mo–Sa 11–23 Uhr, www.benjaminis.at


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