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Nationaleiertag

Falters Zoo | Nathalie Grossschädl, Barbara Fuchs, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 34/14 vom 20.08.2014

Der Himmel über Wien war voller Regenwolken, aber das Wetter hielt dann doch, womit der Großteil der Konzertbesucher nicht rechnete. Ausgestattet mit Regenjacken versammelten sich The-National-Jünger vergangenen Dienstag in der ausverkauften Open-Air-Arena. Anfangs war Frontmann Matt Berninger noch ein bisschen zurückhaltend, umklammerte mit hochgezogenen Schultern das Mikrofon. Mit dunkler Baritonstimme sang, schrie und krächzte er von "Bloodbuzz Ohio" oder "Terrible Love". Das Licht der Videoleinwand warf lila Schatten auf die Graffi tis an den Ziegelmauern. Ja, da wurde wieder klar, die US-Indie-Band ist nicht nur die beste Band der Welt, die Open-Air-Arena ist auch die schönste Location der Stadt. Am Ende des Konzerts wanderte Berninger singend durch das Publikum, das gewissenhaft sein Mikro hinterherhantelte. Die Crew zuckte dabei nur noch die Schultern. Macht er eh bei jedem Konzert. Aber das Bad in der Menge kommt immer wieder gut an. Und der Schluss war überhaupt am besten: Mit einer akustischen Version von "Vanderlyle Crybaby Geeks" verabschiedeten sich The National von Wien.

Langsam kehrt unser Körper wieder in den Normalzustand zurück, wir können uns nur wiederholen: Festivals sind äußerst anstrengend, vor allem wenn sie neuerdings gleich vier Tage dauern. Wir konnten aber wie immer dem FM4 Frequency nicht fernbleiben. Nach gröberen Anlaufschwierigkeiten am ersten Tag - ewig langes Warten an den Bandausgaben und Regenmatschkältesalzburgringfeeling - konnten die Formatradiofeelgoodrapper Macklemore & Ryan Lewis mit Konfettishow dem riesigen Areal und der neuen Monsterbühne so etwas wie Wärme einhauchen. Auch am zweiten Tag musste gegen Regen angespielt werden, hier gelang es vor allem Woodkid und Snoop Dogg, das Publikum aus der Kältemisere zu reißen. Tag drei startete vielversprechend mit Sonne, endete aber bei 13 Grad und eisigem Wind, der vielleicht auch von der irren Bühnenshow und dem Dubstepknaller Skrillex ausgegangen sein könnte. Heimlicher Hauptact am Freitag war aber Stromae, der Belgier ist auch abseits von "Alor on danse" einfach nur entzückend. Mit riesigem Feuerwerk ging der Samstag dann mit Placebo und Travis eher ruhig, aber leider nicht viel wärmer zu Ende. Und wir gehen jetzt erstmal heiß duschen.

Während also ausgelassen unter freiem Himmel konzertiert wurde, stattete ein anderer wichtiger Herr Wien einen Besuch ab und schaute, wie man in unserem lieben Städtchen indoor Konzerte macht. Jon Ola Sand war da, Norweger und Song-Contest-Beauftragter der European Broadcasting Union. Herr Sand schaute sich die Stadthalle an, wo die Show der Shows kommenden Mai stattfinden wird und befand: Die ist geeignet. Vor allem die zentrale Lage des künftigen Song-Contest-Bude sei perfekt. In Kopenhagen musste das Publikum beim letzten Mal mit dem Schiff anreisen.

Und dann ging das Festival Impulstanz zu Ende. Mit einer puderbestäubten Gala zur Verleihung des Nachwuchs-Awards "Prix Jardin d'Europe" im Kasino, moderiert von Choreografin Doris Uhlich und Choreografie-Fan Dirk Stermann. Uhlich, das muss man wissen, arbeitet gerne mit Nackten und entledigt sich dabei auch öfters selbst ihrer Kleider. So auch bei dieser Gala. Was ihren Moderationspartner dazu veranlasste, es ihr später gleichzutun. Man feierte die Preisträgerin Jillian Pena, den 60er von Festival-Chef Karl Regensburger (der, wie der Kulturstadtrat in Aussicht stellte, demnächst städtisch geehrt werden dürfte). Und am Ende gab's Gatsch. Toll.


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