Kommentar Parlament

So wird das nix mit der Frauenquote, lieber Herr Faymann

Falter & Meinung | BARBARA TÓTH | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Barbara Prammer hätte sicher gewollt, dass ihr eine Frau im Parlament nachfolgt. Zumindest im Sinne der Verstorbenen und zum Andenken an sie hätte sich die SPÖ Oberösterreich zusammenreißen und nicht den Zweitgereihten auf ihrer Landesliste, den Gewerkschafter Walter Schopf, sondern die Drittgereihte, die Lehrerin Sonja Ablinger, nominieren können. Das tat sie aber nicht.

Wie peinlich. Jetzt sind sechs der acht Mandatare aus Oberösterreich Männer. Im SPÖ-Parlamentsklub stehen 35 Männern nur mehr 17 Frauen gegenüber -eine Quote von unter einem Drittel.

So präsentiert sich im Jahr 2014 also die Partei, die das Frauenministerium stellt und sich rühmt, Politik für Frauen machen zu wollen, und die im Übrigen mehrheitlich von Frauen gewählt wird.

Dass Ablinger früher eine der wenigen Abgeordneten war, die den Klubzwang herausforderte und gegen die Parteilinie stimmte, spielte bei der Entscheidung sicher auch eine Rolle.

Das macht es nur noch schlimmer. Damit beweist die SPÖ-Parteiführung nämlich nicht nur, dass ihr die eigene Frauenquote egal ist, sondern auch, dass sie verlässliche Langeweile dem klugen Widerspruch vorzieht.

Nein, liebe SPÖ, so wird das nichts mit dem Anspruch, eine Partei für Frauen zu sein. Es mag in den Ohren mancher Funktionäre hart klingen, aber gute Frauenpolitik zu machen allein reicht heute eben nicht mehr aus. Man muss Emanzipation in den eigenen Reihen auch vorleben, und zwar mit einer Selbstverständlichkeit, die solche Debatten wie jene um Prammers Nachfolge erst gar nicht entstehen lässt. Eine Frau geht, unter tragischen Umständen. Eine Frau folgt nach. Ganz einfach.


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