Kolumne Außenpolitik

Ferguson und die kriminalisierte schwarze US-Unterschicht


RAIMUND LÖW
Falter & Meinung | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Ferguson, die Suburb im Bundesstaat Missouri, die Amerika zur Gewissenserforschung über Polizeigewalt und Rassismus zwingt, wirkt auf den ersten Blick wie ein Anachronismus. Schwarze Jugendliche, die sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern, hat es in den USA lange nicht mehr gegeben. Symbol der Proteste sind die hoch erhobenen Hände. So wurde der 18-jährige Michael Brown nach Aussagen seines Freundes am 9. August von Officer Darren Wilson erschossen. In einer Stadt, in der zwei Drittel der Bevölkerung schwarz sind, gibt es unter den 53 Polizisten nur drei Afroamerikaner. Auch der Bürgermeister von Ferguson ist weiß, genauso -mit einer Ausnahme -alle Gemeinderäte.

Derart krasse Missverhältnisse haben Städte und Gemeinden in den USA zumeist längst überwunden. Sie waren für die Zeit vor der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre typisch. Während in den Südstaaten Schwarze und Weiße mit Martin Luther King gegen die Rassensegregation marschierten, erschütterten Revolten

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