Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Events geht gar nicht

Steiermark | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Lange nach seiner Zeit als Sturm-Klubpräsident kam die kriminelle Seite von Hannes Kartnig zutage. Heuer wurde er dann wegen Steuerhinterziehung zu 15 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 5,5 Millionen Euro verurteilt.

Jetzt bekommt er wohl das, was er sich gewünscht hat -er darf seine Strafe mit Fußfessel in seiner Villa verbüßen, einer Arbeit nachgehen und hat Ausgehzeiten für Erledigungen. Dass manche dem Selbstdarsteller mit der großen Klappe einen noch tieferen Fall gewünscht hätten, davon darf man ausgehen. Für den liberalen Geist ist das Thema "Bestrafung" ein heikles, manche nähern sich dem überhaupt nur mit Foucault im Handgepäck. Der neue Leiter der Haftanstalt Karlau, der derzeit über die Fußfessel dissertiert, meinte unlängst im Falter, dass gerade bei Menschen, die keine Gefahr für andere darstellen und nur kurze Strafen aufgebrummt bekommen haben, die Fußfessel angezeigt sei. Hört sich vernünftig an. Das soziale Stigma würde entschärft, die Gefängnisse sowie der Steuerzahler würden entlastet.

Schwindlig kann einem nicht nur bei Foucault werden, sondern auch, wenn man gesehen hat, wie Kartnig nach der Urteilsverkündung mit Rolls-Royce-Cabriolet durch die Stadt kutschierte. Doch nicht nur wegen solcher Provokationen hinterlässt der Fall eine gewisse Ratlosigkeit. Man mag die Fußfessel befürworten, sich aber nicht ausmalen, wie sich große Summenverschieber nun die Hände reiben -arg abschreckend ist das nicht. Zumindest bezüglich Kartnigs Handlungsspielraum konnte der stellvertretende Leiter der Justizanstalt Graz-Jakomini im Kurier beruhigen: "Events oder so geht gar nicht." F


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