Der Liebesdämon in my Fuckhead. Ernst M. Binder zeigt Bodo Hell

Steiermark | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Seit wir Sommerloch haben, irrlichtert das Feuilleton und selbst der ORF ums Genderthema. Und dann bringt Ernst M. Binder ein Bodo-Hell-Singspiel namens "feminin/masculin" ins Literaturhaus. Nur mit den aktuellen Diskursversuchen hat die dramagraz-Arbeit nichts tun. Auch Jean-Luc Godards Film "Masculin -Feminin" lieferte höchstens Anregungen. Und derer gibt es in Hells Textreigen viele. Da ist die Legende der heiligen Jungfrau Agnes und das Brauchtum der keuschen Tobiasnächte. Der Dichter und Senner greift die Verklärung der Natur zum Locus amoenus auf, wie sie in der Barocken Schäferdichtung beliebt war, und lässt sich von Lorenzo Da Pontes frivolsten Mozart-Arien aus Don Giovanni inspirieren. Es geht ums Fleischliche, insofern ist auch der beigestellte Titel "Genderassa Bumm" nur Irritation: Das Geschlechtliche steht hier nicht ob seiner gesellschaftlichen Konstruktion zur Debatte.

Irritationspotential birgt der Abend auch für Binder-Fans, denn der Purist des gut gesprochenen Sprechtheaters lässt sich diesmal auf ein gar buntes Potpourri aus Effekten ein. Mit Kaoko Amano und Clemens Kölbl stehen ihm dabei zwei furchtlose Opernstimmen zur Verfügung (musik. Ltg.: Perikles Liakakis), Fuckhead-Performer Didi Bruckmayr gibt u.a. einen röhrenden Liebesdämon, die Darstellerinnen Mona Kospach und Gina Mattiello halten tapfer durch und den Text zusammen. So gelingt eine penibel komponierte Collage aus mehr oder weniger er"hell"enden Momenten: ein launig-poetischer Abend, der wild um sich deutet, wenig erzählt und dann doch nicht lang wird. Kompliment. F Literaturhaus, Graz, Fr, Sa, Mi, Do 20.00


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