Elendsquartier mitten in Wien

Das Problemhaus in der Gebrüder-Lang-Gasse in Wien-Rudolfsheim ist nur eines von etwa 30. Warum kriegt die Stadt das nicht in Griff?

Politik | ANALYSE: BARBARA TÓTH | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Die Dritte Welt liegt gleich hinter dem Mariahilfer Gürtel. Das Eingangstor ist offen. Eine alte Frau mit zwei schiefen Zähnen im Mund zeigt die feuchte, schmale steinerne Wendeltreppe hinauf. Deutsch kann sie nicht, aber mit ihren Händen erklärt sie, wer hier lebt. Sie hält die Linke demütig auf und fährt sich mit der Rechten zum Mund. Bettler, die um das Notwendigste bitten. Oben, deutet sie, wohnt der Boss. Viele Kinder gebe es hier. Dazu wiegt sie ein unsichtbares Baby.

Die Postkästen sind aufgebrochen, gelbe Postzettel stapeln sich neben ungeöffneten Stromrechnungen und Inkassonamen. Drei Namen tauchen darauf immer wieder auf. Der Rest der Bewohner ist hier nicht gemeldet. Es gibt eine Toilette pro Gang, die Türen zu den Wohnungen stehen offen. Geschlafen wird auf Matratzenlagern. Was nicht gebraucht wird, haben die Bewohner aus dem Stockfenster hinaus auf das Dach des Innenhofgebäudes gestellt oder in den Gang im Erdgeschoß gestapelt.

Die Menschen, die hier übernachten,


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