Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste Halbtagsausflug der Welt der Woche

Kleiner Preis und große Anmut

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Diese Woche fällt die "Landpartie" im Stadtleben aus, weswegen an dieser Stelle sofortige Abhilfe geschaffen wird, denn wenn sich Spätsommer und Frühherbst die Hände reichen, dann sollen wir auf die Berge, durch die Wälder und über die Fluren schreiten, so hat Gott das gewollt. Und wenn das Wetter wacklig oder die Zeit knapp ist, dann steigen wir halt einfach am Westbahnhof in den Regionalzug und sind in einer halben Stunde in Rekawinkel. Mit meiner Jahrskarte der Wiener Linien und der ÖBB-Vorteilscard Classic bin ich um € 1,60 dabei - ja, wie geil ist das denn?!

Neben den geringen Anreisekosten und Anfahrtszeiten sowie den ausgesprochen abwechslungsreichen Aussichten liegt die Attraktivität dieses Ausflugs, der großteils auf dem Wienerwaldweitwanderweg 404 verläuft, nicht zuletzt darin, dass er auch für absolute Orientierungsidioten geeignet ist: Biegt der Weg von der Forststraße links in den Wald, wird einem das durch sieben Markierungen signalisiert. Nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage ist diese Passage freilich extrem gatschig und glitschig, weswegen der Verfasser dieser Zeilen auch bald eine batzn Brezn riss, aber unverdrossen weitergegangen ist, den Heiratsberg überschritten und sich im Wienerwaldhof Rieger eine Kaspressknödlsuppe vergönnt hat.

Durchs Irenental zum Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum geht man dann hauptsächlich auf Asphalt, was einen indes nicht zu verdrießen braucht, schlingt sich der Weg doch so anmutig an obstbaumbestandenen Leiten und pittoresken Bushaltestellen vorbei, über betonstegüberwölbte Bächlein und durch anheimelnde Hohlwegelchen, dass auch große Erwartungen erfüllt werden und man mit Joe aus Charles Dickens' gleichnamigem Roman ausruft: "Was für Kurzweil!"


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