Ein frühpensionierter Frauentränenumfaller im Wiener Rotlichtmilieu

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Es passiert schon wieder jede Menge im jüngsten Krimi von Wolf Haas, aber der leitmotivische Satz, der im ersten halben Dutzend der Brenner-Romane verlässlich auftauchte, bleibt, wie schon zuletzt in "Der Brenner und der liebe Gott" (2009), auch diesmal aus. Ja, fast hat es den Anschein, als wollte der Autor mit den Erwartungshaltungen seiner Leserinnen und Leser einen Schabernack treiben, just in dem Moment, da der Brenner auf Nadeln sitzt, weil er sich sehr berechtigte Sorgen um seine Freundin macht: "Dann sind noch einmal Wochen vergangen, in denen überhaupt nichts passiert ist."

Langmut war noch nie eine der hervorstechenden Eigenschaften des mittlerweile frühpensionierten Detektivs, des "policeman i.r.", als welcher sich der Brenner in seinem Profil auf der Website mit heiratswilligen Russinnen ausweist, wobei er beim Alter, das realistisch hochgerechnet bei 63 Jahren liegen müsste, ein bisschen trickst: "Beim Alter hat er auch nicht gelogen, sondern nur fünf Jahre jünger. Weil

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