Mediaforschung Verführungskolumne

Werberätsel: Finden Sie den Bösewicht in zwei Sekunden?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Vor 13 Jahren kaperten Islamisten vier Passagierflugzeuge und steuerten zwei davon in die Türme des World Trade Center. Nach dem mörderischen Attentat der Terroristen stiegen die Gewalttaten der Amerikaner gegen ihre friedlichen muslimischen Mitbürger dramatisch an. Nun beherrschen die Barbareien muslimischer Gotteskrieger wieder die Schlagzeilen, und vor unserem verängstigten inneren Auge verwandeln sich Frauen mit Kopftuch und braungebrannte Bartträger wieder in blutrünstige Dschihadisten. Lauter Feinde, überall.

In dieser sensiblen Zeit kommt die Kampagne der brasilianischen Sicherheitsfirma GSR gerade recht, die derzeit auf internationalen Werbeblogs bejubelt wird. Die Kampagne besteht aus drei Sujets, sie funktionieren alle gleich. 20 Figuren stehen in fünf Reihen, 19 gleichen sich fast aufs Haar, eine sieht komplett anders aus. Zum Beispiel das Installateursujet: 19 Männer in Klempnerkluft tragen Schnauzer, braves Haar und zugeknöpftes Polo. Der 20. hingegen wirkt so, als hätte Osama bin Laden noch schnell den Kurs "Installateur für Terroristen 1" bei Humboldt belegt: Turban, Rauschebart, finsterer Blick.

19 von den 20 Männern tragen einen Werkzeuggurt, einer einen Sprengstoffgürtel. "Aussehen kann trügerisch sein", erklärt das Werbesujet der Sicherheitsfirma. "Und der zweite Installateur in der letzten Reihe hat Sie getäuscht." Und das ist nicht der Osama-Klempner.

GSR wirbt in seiner Kampagne zugleich für Sicherheit und gegen Vorurteile. Ein rares, kluges Kunststück!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige