"Ich bin schon hier!"

Eine Medizinstudentin erfüllte sich den Traum vom eigenen Omakuchencafé

Stadtleben | LOKALKRITIK: NINA KALTENBRUNNER | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Das Märchen vom Hasen und dem Igel kennt man: Die beiden laufen so lange um die Wette, bis der Hase tot umfällt. Ganz schön grausam, dachte sich Anna Wernhart und beschloss, das Ende der Geschichte umzuschreiben. Und zwar so: „Nach einer Weile sagt der Igl zum Hasn ,Lass uns doch eine Pause machen‘ und bittet ihn in das gleichnamige Café.“ Gleich beim Eintreten sticht einem der Neonschriftzug über der Bar ins Auge: „Sagt der Hase …“

Vor einem Jahr hat Wernhart ihr Medizinstudium hingeschmissen und sich ihren Traum vom eigenen kleinen Kaffeehaus erfüllt. Kaffee und Kuchen wie von Oma wollte sie schon immer kredenzen: „Jetzt oder nie, hab ich mir gedacht.“ Gebacken hat sie ebenfalls von ganz klein auf, mit der Mutter und der Oma, von denen auch die meisten ihrer Kuchen- und Tortenrezepte stammen.

Nach dem Umbau der verrauchten und versifften Bar in ein helles buntes Lokal mit Wohnzimmerappeal hat sie den Gewerbeschein und eine Ausbildung zur Barista absolviert und Ende Juni eröffnet. Der Andrang war so groß, dass sie sogar die Oma anrufen und um ihre Mithilfe bitten musste. Die kam natürlich sofort. Auch jede neue Kuchenkreation muss erst ihren Sanktus erhalten, bevor er über den Igl-Hasn-Tresen geht. „Wenn’s der Oma schmeckt, weiß ich, dass ich es verkaufen kann“, sagt die Neo-Gastronomin zuversichtlich.

Und weil Backen ganz ihr Ding ist, steht Anna Wernhart nun schon frühmorgens (und manchmal nachts) in ihrer kleinen Küche im Lokal und rührt und knetet. Die Zutaten sind allesamt biologisch – vom Backpulver bis hin zum Zucker, das Obst stammt häufig sogar aus dem eigenen Garten (aktuell: Marillen). Das Angebot wechselt täglich und steht wandfüllend in kindlicher Handschrift angeschrieben. Immer mit von der Partie ist Omas gedeckter Apfelkuchen
(€ 2,80), seine Attribute: herrlich mürb-buttrig und saftig frisch.

Dazu gesellen sich jeweils zwei bis drei weitere Backwerke. Etwa flaumiger Zwetschkenkuchen aus Rührteig (€ 3,–), mürber Topfen-Marillen-Kuchen mit zartem Streusel (€ 3,–) und eine Topfen-Himbeer-Torte (€ 3,50) aus lockerem Bisquit mit frischer Creme und Früchten. Wunderbar retro – besser geht Omakuchen nicht.

Es gibt auch geröstete Brote, zum Beispiel mit selbstgemachtem Hummus, Tomaten, Datteln und Rucola aus dem eigenen Garten (€ 4,50) oder mit Camembert, Walnüssen, Honig und Thymian (€ 4,50), ab Herbst soll es mittags auch eine Tagessuppe geben, von der Schwägerin gekocht.

Der Kaffee kommt von Vienna-School-of-Coffee-Betreiberin Johanna Wechselberger, die die Bohnen direkt von Farmern in El Salvador und Brasilien bezieht und sie in Wien selbst röstet, perfekt zubereitet für die Hasen; es gibt Biotees von Sonnentor, Trinkschokolade von Zotter sowie hausgemachten Eistee und Sirupe. Und was sagt nun der Hase? „Ich bin schon hier!“

Resümee:

Farbenfrohes Lokal, in dem köstlicher Omakuchen und herrlicher Kaffee herzlichst serviert werden.

sagt der igl zum hasn
8., Kupkagasse 2, Mo–Sa 11.30–20 Uhr, www.sagtderiglzumhasn.at


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