Am Apparat Telefonkolumne

Herr Pilz, hat die FPÖ von Rainhard Fendrich geklaut?

Politik | INTERVIEW: INGRID BRODNIG | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Rainhard Fendrich regt sich auf: Die FPÖ hat eine seiner berühmtesten Zeilen ungefragt übernommen. "Do kum i her, do g'hear i hin", mit diesem Satz warb die FPÖ Oberösterreich im Internet. Fendrich schaltete seinen Anwalt ein. Doch wie schaut das juristisch aus? Medienjurist Michael Pilz erklärt die Rechtslage.

Herr Pilz, kann sich Rainhard Fendrich juristisch dagegen wehren, dass die FPÖ seine Liedzeile abkupfert?

Ja, sofern die Liedzeile urheberrechtlichen Schutz genießt. Dies kann auch auf Teile eines Sprachwerkes, etwa Liedzeilen, zutreffen -sogar schon bei drei Worten. So schrieb Jura Soyfer in einem Gedicht: "Voll Leben und voll Tod ist diese Erde." Diese Zeile allein wurde als schutzfähig anerkannt. Entscheidend ist, ob eine Wortkombination die erforderliche Eigentümlichkeit aufweist.

Ist die Liedzeile Fendrichs "Do bin i her, do g'hear i hin" denn geschützt?

Letztlich entscheidet der Oberste Gerichtshof. Ich würde aber meinen: Sie ist von einer Eigentümlichkeit, einer eigenen Charakteristik geprägt, und es spricht viel dafür, dass sie urheberrechtlichen Schutz genießt.

Die FPÖ betont, dass sie "Do kum i her, do g'hear i hin" geschrieben hat. Macht dieses eine Wort einen Unterschied?

Stimmt, die Zeile wurde bearbeitet. Der Oberste Gerichtshof sagt dazu: Schimmert in einer bearbeiteten Fassung das Original noch durch, dann muss der Urheber einer Verwendung zustimmen. Ich meine: Da schimmert das Original ganz deutlich hervor! Die hätten Fendrich fragen müssen.

Nicht zum ersten Mal regt sich ein Künstler über die FPÖ auf. Die streifen besonders oft am Urheberrecht an. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Eine Erklärung nicht, aber eine Meinung: Womöglich sind Populisten besonders bestrebt, überall die Rosinen der Originalität rauszupicken, ohne genau zu schauen, was überhaupt erlaubt ist.


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