Die Intelligenz des Skeptikers und die Melancholie eines Romantikers

Feuilleton | HUBSI KRAMAR | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

"Augen, in denen sich die Welt spiegelt!" Dies sind die Worte, die mir in den Sinn gekommen sind, als ich Florian Flicker zum ersten Mal sah - 1984 im Lager 6, im Zuge der Besetzung der Hainburger Au. Ich steckte damals in den Vorbereitungen zur "Konrad Bayer Gala" und war so nicht wenig überrascht, als der kaum 20-jährige Florian aus seiner Manteltasche plötzlich ein Buch von Bayer fischte. Einer dieser magischen Zufälle! In diesem Moment sind wir einander "zugefallen". Eine Seelenverbindung.

Besonders berührt hat mich seine helle Ausstrahlung. Und erstaunt hat mich, was er in so jungen Jahren schon gewusst und verstanden hat. Einerseits waren wir gemeinsam in diesem politisch extrem aufgeladenen Hainburger Spannungsfeld österreichischer Politik, andererseits vertieften wir uns in unseren Gesprächen in die Extreme der modernen österreichischen Literatur. Zwei Felder, die sich überschneiden und gleichzeitig weit auseinanderklaffen.

Das ist Florian für mich, ein Grenzgänger zwischen den Welten, mit einer unerfüllbaren Sehnsucht nach dem Ausgleich von Gegensätzen. Diese Eigenschaften bestimmen sein Werk, sein Schreiben, sein Filmschaffen.

Was ihn für mich besonders anziehend gemacht hat, war sein feiner Humor, gepaart mit der Intelligenz des Skeptikers und der Melancholie eines liebenswerten Romantikers. Abgesehen von seinem großen künstlerischen Talent und Können ist es nicht übertrieben zu sagen: Er war einer dieser außergewöhnlichen Menschen, voll Verständnis, Toleranz und Menschenliebe. Auch wenn er von uns gegangen ist, seine Filme leben. Danke, Florian!

(Schauspieler, Regisseur und Produzent)


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