Tiere

Quallenquäler

Falter & Meinung | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014


Zuerst wollte ich diese Woche über „Quantenstrudel in suprakalten Nanotropfen“ schreiben, denn diese appetitliche Schlagzeile erhellte gerade die Wissenschaftsressorts der Medien. Gastronomisch orientierte Menschen erwarteten sich dahinter vermutlich die Beschreibung einer schmackhaften neuen Speise, und ich musste Falter-Sensoriker Florian Holzer in letzter Nanosekunde von einer Bestellung abhalten. Doch es handelte sich dabei vielmehr um einen Beitrag zur Kosmologie, den ich hier nicht erläutere, denn ich habe mich dann doch für „Til Schweiger“ als antiintellektuelles Kolumnenthema entschieden. Der deutsche Schauspieler hatte in Mallorca Quallen gequält und ein Video davon gepostet. „Kleinhirnhase“, spottete das Feuilleton, und die Twitteria shitstormte darüber, dass sich gleich und gleich offenbar gerne geselle. Denn Quallen besitzen kein Gehirn. Til Schweiger stellte dann als Reaktion auf den öffentlichen Unmut ein weiteres Filmchen online, das ihn bei der heldenhaften Rettung einer Wespe aus seinem Pool zeigte. „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ trage ich als weiteren Sinnspruch zu dieser sommerlichen Erregung bei.

Quallen sind nicht nur sehr schön anzusehen, sondern auch zu Unrecht so verhasst. Als Strandurlauber kann man leicht auf Pool und Bar ausweichen und besser darüber nachdenken, dass dieses „Problem“ wieder einmal von Menschen verursacht wurde. In ihren Jugendformen als sogenannte Polypen sind diese Tiere sesshaft und brauchen Strukturen zum Besiedeln. Diese werden durch Hafenanlagen, Windparks, Bohranlagen etc. immer mehr. Fische, die natürlichen Feinde und Futterkonkurrenten der Quallen, werden wiederum aufgrund der Ausbeutung der Meere immer weniger. Und auf die ebenfalls anthropogene Verschmutzung der Ozeane reagieren Quallen weniger sensibel als andere Tierarten.


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