Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Broukal-Haider

Falter & Meinung | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Josef Broukal war vor 20 Jahren Anchorman der "ZiB 1" und Chefredakteur des aktuellen Dienstes. Also etwa eine Kombination aus Rainer Hazivar und Fritz Dittlbacher. 1991 wurde Broukal, damals Schnurrbarträger, schlagartig berühmt, als er nach einem sensationellen Wahlergebnis der FPÖ bei Wiener Gemeinderatswahlen (22,5 Prozent) den Parteichef der FPÖ im "ZiB 1"-Interview frontal anging.

Broukal fragte: "Guten Abend, Herr Dr. Haider. Ich habe mir lange überlegt, was fragt man einen strahlenden Wahlsieger wie Sie, aber dennoch, eine Frage muss sein: Ihre Partei hat in diesem Wahlkampf hauptsächlich mit der Ausländerfrage argumentiert, und sie hat Ausländer zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten in dieser Stadt zu so etwas wie Unpersonen gemacht. Kann man sich mit einem solchen Wahlsieg ehrlichen Herzens einverstanden erklären?"

Ein Zeugnis jenes braven, aber im Angesicht des Phänomens hilflosen Antifaschismus, mit dem das zu bekämpfende Übel nur noch befeuert wurde.

Haider antwortete, das sei "absoluter Unsinn, was sie da verzapfen" und so weiter, die SPÖ sage dasselbe, es gehe um österreichische Arbeitsplätze und so fort.

Broukal hörte sich die lange Tirade an und sagte: "Bedanke mich vielmals. Herr Doktor Haider, vielleicht sollten Sie noch wissen, ich gehe seit einem Jahr in einem Park im sechsten Bezirk spazieren, seit Ihre Wahlkampagne begonnen hat, steht dort auf jeder Parkbank ,Ausländer raus' und auf einigen das Hakenkreuz. Herzlichen Dank!"

Die FPÖ klagte Broukal. Es endete mit einem Vergleich. Broukal erklärte, er habe Haider nicht beleidigen wollen, halte seine Vorwürfe aber aufrecht. Der Falter veröffentlichte das Dossier, das Broukal für seine Prozesse zusammengestellt hatte. Es dokumentiert auf vier teilweise kleinbedruckten Seiten ausländerfeindliche Äußerungen der FPÖ. Die Ratskammer beim Landesgericht für Strafsachen entschied übrigens am 24. Oktober 1991, der Vorwurf, die FPÖ sei ausländerfeindlich, rassistisch und deutschnational, sei nicht klagsfähig. AT


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