Kunst Kritik

Nur vom Feinsten: die Sammlung Titze

Lexikon | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Der österreichische Wirtschaftswissenschafter Wolfgang Titze und die französische Historikerin Anne de Boismilon sind ein Paar und sammeln Kunst. Was sie seit dem Jahr 1995 zusammengetragen haben, ist derzeit unter dem Titel "Love Story" in zwei Dependancen des Belvedere, im 21er-Haus und dem Winterpalais, ausgebreitet.

In dem modernistischen Pavillon des 21er-Hauses stehen Werke der Minimal Art im Vordergrund, jener Kunstströmung, die sich in den 1960er-Jahren mit einfachen, geometrischen Formen und der industriellen Fertigung von Kunst beschäftigte. Zu sehen sind Bodenarbeiten von Carl Andre und Wandobjekte von Donald Judd, mit denen die US-Künstler die Trennung zwischen Malerei und Skulptur aufzuheben trachteten. Die Kunstgeschichte hat diesen Werken einen beispielhaften Rang für den Aufbruch der Kunst in den 1960er-Jahren zugewiesen.

Ein Großteil der 130 gezeigten Werke hat noch keine kunsthistorischen Weihen. Ihr Wert wird weniger von Wissenschaftlerinnen und Kritikerinnen bestimmt, sondern von der Kräften des Marktes. Ein Paradebeispiel ist Rudolf Stingel, dessen ornamentale Bildflächen die dekorative Funktion von Kunst an den Wänden von Superreichen unterstreichen. Im barocken Ambiente des Winterpalais ergibt das einen reizvollen, aber nicht unzynischen Effekt. Die Besucher einer öffentlich finanzierten Institution lernen den Geschmack der Superreichen kennen. Ein Kennzeichen dieser Kunst ist ein lässiger Umgang mit Medien und Materialien. Künstler wie Stingel, Matthew Barney, Seth Price oder Wade Guyton switchen zwischen Installation, Skulptur und Malerei hin und her. In "Love Story" hat das Wiener Publikum nun die rare Möglichkeit, die Stars der großen Galerien und Auktionen zu besichtigen. MD 21er-Haus und Winterpalais, bis 5.10.


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