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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 35/14 vom 27.08.2014

Durchsucht man das analoge Fotoarchiv des Falter, findet man noch Papierabzüge von Porträts, die Heribert Corn von Wolf Haas gemacht hat. Das ist also schon ein Zeiterl her, nämlich ziemlich genau 682 Wochen. Das Café Awawa im Augarten, in dem das Gespräch stattfand, heißt heute Bunkerei, und das Buch, das damals gerade erschienen war, kostete 291 Schilling, was -Inflation einmal beiseitegelassen -relativ genau dem Ladenpreis des jüngsten Haas-Romans entspricht. "Kampfmütter gegen Kampfhunde: Krimiautor Wolf Haas über seinen neuen Roman" lautete die Zeile zu Haas' erstem Auftritt als Cover-Boy des Falter (er sah damals tatsächlich noch quite boyish aus), der Romantitel wurde peinlicher-,weil fälschlicherweise als "Wie die wilden Tiere" angeführt, lautet tatsächlich aber "Wie die Tiere".

In den Jahren danach avancierte Haas zum All-Time-Falter-Cover-Star (fünf Auftritte, wenn ich recht erinnere), obgleich Elfriede Jelinek in den 90ern auch recht präsent war. Ganz generell zeichnet diese Zeitung ein mitunter beruhigender, mitunter verstörender Hang zur Kontinuität aus. Mit der Zeile "Gott hat Geburtstag" wurde im Mai 2001 Bob Dylan zum 60er gratuliert (wie zehn Jahre später zum 70er), Ende Juni und drei Wochen später lauteten die Schlagzeilen "Skandal in Stein" bzw. "Skandal in Stein, II". Im Interview meinte Haas damals übrigens: "Ich schreib nur noch einen Brenner-Roman. () Es würde mich total reizen, ihn sterben zu lassen und ein halbes Jahr später das nächste Buch rauszubringen, als wäre nichts gewesen."


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