Der Wille zur Rille

Das formidable steirische Plattenlabel Rock Is Hell feiert zehnjähriges Jubiläum. Manches läuft da auch verkehrt herum

JUBILÄUMSSCHREIBEN: TIZ SCHAFFER | Steiermark | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014


Mit viel Herzblut betreibt Jochen Summer sein Spezialitäten-Label (Foto: J.J. Kucek)

Mit viel Herzblut betreibt Jochen Summer sein Spezialitäten-Label (Foto: J.J. Kucek)

Die 50. Veröffentlichung von Rock Is Hell (RIH) hat dann doch bei einigen Käufern für Irritationen gesorgt. „Ich habe zahlreiche Mails mit der Frage bekommen, ob die Platte kaputt sei“, erzählt Labelmacher Jochen Summer. Er hatte genau 50 österreichische Künstler gebeten, entweder einen Loop oder eine 5- oder eine 50-Sekunden-Nummer abzuliefern. Nur war es nicht möglich, die Tracks einfach durchgehend abzuspielen, sondern für jeden einzelnen Track musste die Nadel neu in die Rille gelegt werden. Und manche der Nummern drehten sich nicht in Richtung Plattenende, sondern zum Anfang hin. „Gut, das muss man nicht jedes Jahr machen“, meint Summer.

Jochen Summer ist im südsteirischen Diepersdorf aufgewachsen, sein Vater war Landwirt und als Radfahrer bei drei Olympischen Spielen in den 1970er-Jahren mit dabei. Auch Summer selbst strampelte sich als Fahrradprofi beinahe eineinhalb Jahrzehnte lang ab, bevor dem heute 37-Jährigen vor fünf Jahren die Luft ausging. Danach nahm er erst einmal ein wenig zu, arbeitete selbstständig als Ausstellungstechniker, danach bei einer Kanalreinigungsfirma, heute ist er in einer Druckerei in Judenburg tätig. In der obersteirischen Stadt findet diese Woche auch das Fest zum zehnjährigen Jubiläum seines Labels statt. Nicht nur einige Bands werden an diesen zwei Tagen zu sehen sein – mit dabei etwa King Buzzo von den Alternativ-Rock-Legenden Melvins –, es wird auch eine Ausstellung eröffnet, die die Artworks aller bisher erschienenen 60 Veröffentlichungen zur Schau stellt.

Denn es ist nicht nur die Musik, die das Label so speziell macht. Vor allem US-amerikanische und österreichische Bands finden sich im Backkatalog, zumeist bewegen sie sich im Wendekreis von Avant- oder Noise-Rock, Experiment und Improvisation. Die einzelnen Veröffentlichungen sind auch deshalb immer etwas Besonderes, weil auf die Covergestaltung viel Wert gelegt wird, bildende Künstler wie Heimo Wallner, Mackie Osborne oder Kati Heck sind dafür verantwortlich. Das Vinyl selbst – RIH-Veröffentlichungen gibt es nur als Schallplatte – flutscht zumeist in den unterschiedlichsten Farben aus den Covers, auch in unorthodoxen Größen wie 5 Inch, mitunter finden sich darauf weitere grafische Spielereien. Wenn sich nun etwa die 59. und eben fertiggestellte RIH-Platte „Even Worse than Expected“ – eine Compilation unter anderem mit Mark Deutrom, Dead, Regolith oder Nate Denver’s Neck – auf dem Plattenteller dreht, dann machen auf das Vinyl gedruckte, grafisch stilisierte Messer die Runde. Zudem hat jede Platte zumindest zwei unterschiedliche Cover, manche sogar bis zu zehn. Seit geraumer Zeit presst Summer die Artworks mit seiner eigenen Siebdruckmaschine auf Karton wie Vinyl.

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