Der große blinde Fleck des heimischen Schulsystems

Die Schulen sind niemals in der Migrationsgesellschaft angekommen, meint Heidi Schrodt. Hoffentlich liest der neue ÖVP-Chef ihr Buch

REZENSION: SIBYLLE HAMANN | Politik | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Die Geschichte dieses Buches beginnt Ende der 80er-Jahre. Heidi Schrodt unterrichtete Deutsch an einem neuerbauten Gymnasium am Wienerberg. Trotz damals schon langjähriger Berufserfahrung war ihr die Neugier geblieben. Deshalb vereinbarte sie mit einem befreundeten Kollegen einen Rollentausch.

Der Kollege war ebenfalls Deutschlehrer. "Professor" durfte er sich jedoch nicht nennen, denn er unterrichtete an einer Hauptschule, am Favoritner Reumannplatz, inmitten eines Gründerzeitviertels, das immer schon von Neuzuwanderern geprägt war. Als Schrodt zum ersten Mal in seiner Klasse stand, verließ sie schlagartig der Mut. "Was ich vorfand, war eine äußerst heterogen zusammengesetzte Schülerschaft, von denen einige sehr gut Deutsch sprachen, andere noch kein Wort verstanden, dazu Kinder mit Erstsprache Deutsch aus zerrütteteten Familienverhältnissen, die starke Verhaltensauffälligkeiten aufwiesen." Schrodt schwitzte Blut und Wasser. Wollte ihr Gesicht wahren. Bereitete sich tage-und nächtelang

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