Mediaforschung Verführungskolumne

Wenn der hammerharte Hornbach das Herz berührt

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Als Goth hat man' s nicht leicht. Das blasse Mädchen mit pechschwarzem Haar trägt Lederhalsband und finstere Klamotten. Der Vater blickt seine Tochter irritiert an, in der Schule tuscheln die Kinder höhnisch über sie, in der Klasse werfen sie ihr eine Kröte auf das Pult, im Turnunterricht bleibt sie allein sitzen -ein schwarzer Fleck hinter Jugendlichen in weißen Polos und Shorts.

Die neue Werbung der Baumarktkette Hornbach schildert den einsamen Alltag eines Außenseiters und punktet mit dem, was eine gute Werbung auszeichnet: eine gelungene Wendung am Ende der Geschichte. Eine halbe Minute erzeugt der Spot die Grundstimmung "armes Mäderl". Auf dem Heimweg weichen dem Goth-Mädchen anständige Biedermeier-Menschen verschreckt aus, sperren Autotüren zu, strafen sie mit verachtenden Blicken. Als sie zu Hause die Gartentür öffnet, klebt schwarze Farbe an ihrer Hand. Ist es ein neuer Streich der mobbenden Mitschülermeute?

Nein, es war der Vater. Der hat den ganzen Zaun in Schwarz getaucht, die hellen Steinplatten herausgerissen und stattdessen einen dunklen Steinweg hingeteert. Gerade ist er dabei, das pastellgelbe Haus komplett mit schwarzer Farbe zu überpinseln. Vater und Tochter blicken einander an, das blasse Mädchen lächelt. "Armes Mäderl", erklärt der Spot in den letzten 15 Sekunden, "aber der Papa ist immer für sie da."

Moral von der Geschichte: Wenn in der Pubertät alle gegen einen rebellieren, nimmt man notfalls auch die Eltern als Verbündete.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige